“Die Möwe” im Bockkeller

Wie in allen Produktionen will das Arme Theater Wien auch in der "Möwe" Ensemblearbeit forcieren, so dass es ein Aufeinanderhorchen und zärtliches Miteinander der Schauspieler und Schauspielerinnen gibt, wie man es vom Musizieren her kennt. Auch die Momente der Stille des Abwartens sind genauestens inszeniert.

Der Spiegelsaal des Wiener Volksliedwerks ist idealer Spielort, um die Stimmung auf dem Landgut am See zu evozieren, wo vom wahren Leben und vom Theater geträumt wird und wo Mutter und Sohn, die Diva und ihr Geliebter, der Schriftstellersohn und die junge Nina einander lieben und quälen.

WAS: Armes Theater Wien mit Anton Tschechows "Die Möwe"
WANN: Premiere: 12. 8.; Weitere Vorstellungen: 16.-20., 23.-27. 8. 2010; jeweils 20 Uhr
WO: Liebhartstaler Bockkeller, 16., Gallitzinstrasse 1

Eintritt: € 15,- (erm. für Mitglieder des wvlw €
13,-) 
Reservierung unter Tel.: 0699 816 39 394 oder info@armestheaterwien.at

Die Möwe

Mit Inge Altenburger, Evelyn Fuchs, Krista Pauer, Walter Gellert, Manfred Jaksch, Peter Kratochvil, Markus Pol, Thomas Rabitsch u.a.; Regie: Erhard Pauer

Der Lehrer liebt Mascha, Mascha liebt Kostja, der wiederum liebt Nina, die liebt den Schriftsteller Trigorin, der jedoch nur sich selbst liebt. In Tschechows bittersüßer Komödie "Die Möwe" geht es um die Liebe im Überstehen des Unglücks, um das Entkommen aus der Öde der Provinz und die Produktion von Kunst. "Wir beschreiben das Leben so wie es ist und weiter weder piep noch pup. Wir haben weder Nah- noch Fernziele, unser Herz ist wie leergefegt. Ob dies eine Krankheit ist oder nicht – es geht nicht um die Beziehung, sondern um das Eingeständnis unserer Lage", so Tschechow an einen Freund und Kollegen. Tschechow gelingt es, das Gefühlselend der leidenden Menschen in ihrer Alltäglichkeit und ihren Leerlauf in einer materiell saturierten Gesellschaft widerzuspiegeln und es gleichzeitig komisch und lachhaft wirken zu lassen.

In diesem Stück geht es immer auch um die Kunst der Wahrnehmung. Bei Tschechow drücken die Figuren weniger aus, wer sie sind oder sein wollen; die Menschen verdeutlichen sich stets im Blick der anderen. Was ist los mit den Menschen und warum gehen sie uns heute noch genauso an wie vor hundert Jahren? Sie suchen nach Liebe und Sinn, sie denken groß und handeln doch immer wieder klein. Tschechows realistisches Sinnsucher- und Liebesleidstück ist ein theatralischer Seelenzergliederungsapparat, in dem eine traurige Komödie und eine groteske Tragödie zugleich stecken. Verschiedene Seelenlagen werden beleuchtet: sehnsuchtsvoll, stumpfsinnig, gierig, gleichgültig, flausenhaft, tragisch, komisch, banal. Das homogene und konzentrierte Ensemble folgt den Spuren des "Seelenarztes" Tschechow, eines geübten Psychologen, dem der Mensch selbst hinter kostbaren Selbstlügenpelzmänteln nicht verborgen bleibt, und eines Sehers, dem auch die subtileren Verbindungen von äußerem und innerem Elend nicht entgehen. …aber das Gefühl ist der Ausgangspunkt. Das ist unser Beruf.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *