“Soft Drinks sind teurer als Leitungswasser”

WBB:
Vor kurzem war zu lesen, dass es in der Vorsorge verstärkt um Ess-Störungen und die Psyche und Physis älterer Frauen gehen soll. Können Sie das näher erläutern bitte?

Wehsely:
Vorweg: In Wien bekommen alle die Hilfe, die sie brauchen?– ob arm oder reich. Das beste Gesundheitssystem ist aber eines, das man gar nicht  erst braucht. Es ist nie zu spät, mit Bewegung zu beginnen und sich gesund zu ernähren. Das Wichtigste dabei: den inneren Schweinehund überwinden! Zu den Ess-Störungen: Ja, sie nehmen zu, dagegen müssen wir kämpfen – relativ neu ist, dass es sich neben jungen Frauen immer häufiger auch um junge Buben handelt.

Was kann man hier konkret tun?

Darüber reden und Selbst­bewusstsein schaffen. Am 28. September haben wir deshalb im Rathaus den Kongress "Der Kampf ums Gewicht“, der sich dem Thema widmet. Selbstbewusstsein ist der Schlüssel, auch wenn es um die psychische und physische Gesundheit älterer Frauen geht. Frauen mit 50 müssen nicht aussehen wie mit 25 Jahren.

Auch hier die Frage nach konkreten Projekten …

Wir brauchen für jedes Alter und jede Umgebung den richtigen Ansatz: Im 10. und 20. Bezirk starten wir in den Häusern zum Leben das Projekt "Gesunde Pensionis­tenklubs“. Ganz wichtig: Hier wird es um Bewegung gehen, nicht um Sport. Mit Bewegung kann man auch als älterer oder alter Mensch beginnen.

Wären Gesunden- oder Präventionshäuser ein Gegenpol zum Krankenhaus?

Nein, daran glaube ich nicht. Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind – der erhobene Zeigefinger ist der falsche Weg. Gesundes Essen muss nicht teuer sein. Wir gehen mit unseren Projekten zum Beispiel in die Lugner City und sagen den Kunden, dass die Soft Drinks, die sie eben gekauft haben, wesentlich teurer sind als Leitungswasser?– und dabei noch ungesund.

Wie weit darf bzw. soll sich die Politik bei der Prävention jedes Einzelnen "einmischen“?

Das ist eine Gratwanderung. Die Freiheit des Einzelnen ist wesentlich, die Politik muss aufklären und informieren. Stichwort: Raucher/Nichtraucher – hier müssen eindeutig die Nichtraucher geschützt werden.
Gentechniktests im Internet – z. B. zur Abschätzung des Krebsrisikos – sind aber noch kein Thema bei uns?
Politisch ist das kein Thema.

Um international zu bleiben: Wien ist im "Gesunde Städte Netzwerk“ der WHO, was bedeutet das?

Wien war sogar Gründungsmitglied! Im Austausch mit anderen Städten haben wir gelernt, Gesundheitsförderung situationsangepasst anzubieten. Wir wissen: Dicke Kinder haben meistens dicke Eltern. Gesundheitsförderung ist daher wichtig im Kindergarten, in der Schule und im Betrieb.

Wie gesund ist Wien im Vergleich?

Wien liegt im Durchschnitt, außer beim Anteil der Übergewichtigen. Hier liegen wir drüber.

Wie sieht eine gesunde Stadt aus? Ob Parkbankerl für die alte Frau oder Generationenspielpark – hier braucht es ja eine Zusammenarbeit mit anderen Ressorts, wie der Stadtentwicklung, nehme ich an?

Völlig richtig. Auf Englisch heißt das Prinzip „Health in all policies“, die Gesundheit wird deshalb in Wien in allen Politikfeldern mitgedacht. Weil: Gesund sein heißt mehr als frei sein von Krankheit. Stichwort Generationenpark: Der Rudolf Bednar Park im 2. Bezirk ist da ein Vorzeigeprojekt – hier ist für jedes Alter was dabei.

Abschließend ein paar Worte zur 18. Internationalen Welt-Aids-Konferenz von 18. bis 23. Juli?

25.000 Experten und Menschen mit Engagement aus NGOs und vielen anderen Gesellschaftsbereichen kommen aus aller Welt nach Wien. Wir sind stolz darauf, dass Wien als Kongressstadt ausgesucht wurde. Der Umgang mit HIV und Aids in der Stadt, unsere Sucht- und Drogenpolitik und die Nähe zu Osteuropa waren unter anderem ausschlaggebend.

Gesundenunter­suchungen 2009

  • WGKK

Die Gesundenuntersuchung ist für alle ab 19 Jahren 1 x im Jahr gratis und wird von niedergelassenen Ärzten, von Ambulatorien der WGKK und von der Magistratsabteilung 15 – Gesundheitsdienst der Stadt Wien angeboten.

186.620 Insgesamt

  77.025 Männer

109.595 Frauen

  • MA 15

13.200 Insgesamt

  6.300 Männer

  6.900 Frauen

  • Adresse: Rathaus, 1010 Wien

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