2010 wird BALKAN FEVER feminin!

Affirmative Action?
Quotenregelung?
Teilweise!
Denn der Frauenanteil war bei unserem Festival immer schon verhältnismäßig hoch.
Dennoch sind Frauen im Fach Gesang (Chanson, Volkslied, Jazz, Pop) stark vertreten, während Instrumentalmusik, im balkanischen Fall z. B. martialisch-virile Blechblasmusik, aber auch Rock und Dancefloor männliche Domänen bleiben.

Diese funktionale Trennung folgt einer alten patriarchalischen, die Frau wird als madonnenhafte, erhabene und dennoch dekorative Galionsfigur oder als moralisch verwerfliche Kneipensängerin platziert, während die erotisch aufreizende Partymusik von Männern „besorgt" wird.
Der Instrumentalist als „Star-Individuum" ist (analog dem Star-Koch) stets ein Mann.

Wenn schon Affirmative Action, dann nicht bloß im Sinne der bloßen Präsenz von Frauen, das wäre weder fortschrittlich noch originell, sondern im Sinne der Aufweichung, Infragestellung und Provokation dieser Zuschreibungen.
Das Klischee stellt sich balkanische Gesellschaft als Macho-Patriarchat vor – doch das ist nur, schlimm genug, die halbe Wahrheit. Dort, wo sich Individuen stärker gegen Bevormundung durchsetzen müssen, blühen stärkere Persönlichkeiten. Immerhin war der Feminismus im Jugoslawien der 80er Jahre eine bedeutsame zivilgesellschaftliche Kraft, vor allem in bildender und Objektkunst sowie im Theater haben sich Frauen aus den Balkanländern internationale Reputation erarbeiten können. Ganz zu schweigen von der Musik.

Wir verzichten gleich vorneweg auf Zuschreibungen wie „starke Frauen" oder „Power-Frauen", weil diese verdächtige Aufwertung wie die gefeierte Ausnahme von einer Regel wirkt, welche Frauen noch immer als „schwaches Geschlecht" darstellt. Und das sollte eigentlich längst obsolet sein.
Vielmehr möchten wir Musikerinnen verschiedenster Genres mit gelassener Selbstverständlichkeit präsentieren, als wahre Subjekte ihrer Kunst – und trotz vielfältiger ethnischer Bezüge auch Frauen einladen, die Pfadfinderinnen neuer Wege sind. Somit wird BALKAN FEVER 2010 nicht nur das femininste Festival, sondern auch das stilistisch vielfältigste seiner Geschichte sein. Blasmusik wird es zwar weniger geben bei BALKAN FEVER 2010, sondern mehr Kontemplatives und Anspruchsvolles,
doch Tanz und Ekstase werden nicht zu kurz kommen.

Zu unserer Freude werden Frau Sandra Frauenberger, Stadträtin für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz und Personal, und Frau Anica Matzka-Dojder, Abgeordnete zum Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats, den Ehrenschutz des Festivals übernehmenPROGRAMMSCHWERPUNKTE

Roma-Legenden der jugoslawischen Musik.
Eine urbane Legende des alten Belgrad ist die Roma-Chanteuse Ljiljana Buttler, die sich am 3. Mai im Porgy & Bess mit ihrem neuen Quartett präsentieren wird. Und natürlich darf die Queen herself nicht fehlen: Esma Redžepova aus Mazedonien wird das Festival am 11. Mai im Theater Akzent feierlich und ekstatisch wie immer beenden.

Deutschsprachige Ladies vom Balkan
Nicht die prominente Abstammung, sondern das künstlerische Profil dieser Damen steht bei uns im Vordergrund. Sanda Weigl, eine Nichte von Bertolt Brecht und Helene Weigel, ihres Zeichens arrivierte Schauspielerin und Sängerin, wuchs in Rumänien auf und widmet sich den Liedern der Roma sowie der großen rumänischen Chanteuse Maria T?nase. Wahlbulgarin und Energiebündel Arabel Karajan, die Tochter des Dirigenten, präsentiert sich hingegen mit einer bulgarischen Band, bei der Beatboxing und Vokalimprovisation im Vordergrund stehen.

Junge Talente.
Wir starten das Festival mit einer viel versprechenden Neuentdeckung: Die erst 15-jährige Stanoela Ingilizova wird mit einer Roma-Blechblas-Boygroup, den Karandila junior aus Sliven, Bulgarien, den Eröffnungsabend im EGA bestreiten. Ebenfalls der Volksgruppe der bulgarischen Roma gehört die phantastische Gadulkaspielerin Darinka Tsekova (am 18. 4. im Ost Klub), vielen bekannt durch die Reisedoku „Goisern Goes East".

Divas of Ethno-Jazz.
Über vier Oktaven spannt sich das stimmliche Spektrum der türkisch-bulgarischen Chanteuse
Y?ld?z ?brahimova (20. 4. im Porgy & Bess), der wichtigsten und vielseitigsten Vertreterin des Balkan- und Oriental-Jazz. Und die junge in der Schweiz lebende Vokalistin Elina Duni (7. 5. im Porgy & Bess) überzeugt mit ihrer Fusion aus albanischer Tradition und Jazz.

Balkan Ladies in Austria.
Die wichtigsten Sängerinnen der heimischen Szene, deren Oeuvre sich in keinem Fall auf balkanische Musik beschränken lässt, werden sich mit neuen Projekten präsentieren: Tausendsassa Maja Osojnik stellt ihr neues Werk „?rne Vode" vor (30. 4. im Porgy & Bess), Jelena Popržan & Rina Kaçinari, die Entdeckung des letzten Balkan Fever Festivals, tun sich mit Rockröhre Ljubinka Joki? für ein erwartungsgemäß extravagantes Programm zusammen (2. 5. im Porgy & Bess), Nataša Mirkovi? De Ro (4. 5. im Porgy & Bess) kümmert sich ausschließlich um die Liebeslieder (Sevdalinke) ihrer bosnischen Heimat, und ihre Kollegin aus Sandy-Lopi?i?-Tagen Vesna Petkovi? präsentiert Folksongs im Jazz-Setting und gibt hernach mit ihrem Grazer Sandala Orkestar Gas (8. 5. im Ost Klub).

Traditions of A-cappella.
Auch den vielseitigen Traditionen des mehrstimmigen Gesangs erweisen wir Reverenz. Das Frauenensemble Neverin aus Split bricht mit himmlischen Harmonien in die einst männliche Domäne des dalmatischen Klapa-Gesangs ein. Den Abend (21. 4. im Theater Akzent) teilen sie sich mit dem berühmten Rhodopea Kaba Trio aus Bulgarien, das ungewohnt, aber groovy mit tiefen Stimmen das wilde Liedgut des nicht minder wilden Rhodopengebirges zum Besten geben wird. Am 29. 4. haben wir in der Sargfabrik mit Svetlana Spaji? und ihrem Quartett die wichtigste serbische Roots-Sängerin zu Gast.

Von Independent Rock zu Electronic Beats.
Am 24. 4. präsentiert sich im Ost mit Nasekomix die wichtigste feminine Undergroundband Bulgariens, gefolgt vom nicht minder populären Soft Pop und Acid Jazz der Phuture Shock. Eine Woche darauf (1. 5.) spielt dortselbst Bo (aka Bojana Bulatovi?), eine der Speerspitzen des Belgrader Undergrounds, mit starken Texten und Gitarre und Drums auf, gefolgt von DJane und Elektronik-Experimentatorin Maloya Maloti.

Tradition de luxe.
Hirtenflötenjazzer Theodosii Spassov war zwar bei jedem unserer Konzerte bislang zu Gast, doch er ist keine Frau (!?); dafür bringt er am 22. 4. Heavenly Strings, ein großartiges Frauenensemble in die Sargfabrik: traditionelle bulgarische Musik, aber auf einem zuvor nicht geahnten Niveau. Auch die weltberühmte griechische Sängerin Savina Yannatou interpretiert traditionelle Lieder Griechenlands und des Mittelmeerraumes, aber mit atemberaubender Intensität.



DIE VERANSTALTUNGSORTE:

 

SARGFABRIK: A-1140 Wien; Goldschlagstraße 169

Karteninfo Tel. (01) 998 98 111; http://www.sargfabrik.at

 

PORGY & BESS: A-1010 Wien; Riemergasse 11

Karteninfo Tel. (01) 512 88 11; http://www.porgy.at

           

OST KLUB: A-1040 Wien; Schwindgasse 1

Karteninfo Tel.: (01) 505 62 28; http://www.ost-klub.at

 

THEATER AKZENT: A-1040 Wien; Theresianumgasse 18

Karteninfo Tel.: (01) 501 65/ 33-06;
http://www.akzent.at

 

EGA: A-1060 Wien; Windmühlgasse 26

Karteninfo Tel.: 0699/1 913 76 31; http://www.ega.or.at

 

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