30 Jahre Wiener Psychiatriereform

240 Mitarbeiter, davon rund ein Fünftel Ärzte, betreuen und behandeln bei den Psychosozialen Diensten in Wien jährlich deutlich über 10.000 PatientInnen im Rahmen von rund 150.000 Behandlungskontakten. "Gerade nach den vielen Diskussionen der vergangenen Jahre gilt es klar und durchaus mit Stolz zu sagen: Die Wiener Psychiatrie funktioniert. Sie funktioniert dank ihrer guten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in PSD und KAV, die nicht nur hochprofessionell arbeiten, sondern auch das Herz am rechten Fleck haben", erklärten Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely unisono im Rahmen des Mediengesprächs des Bürgermeisters.

Wehsely: "1979 hatte Wien 3.858 Betten in der Versorgungspsychiatrie. Vier von fünf Aufnahmen erfolgten unfreiwillig. Es wurde wenig bis keine ambulante Struktur angeboten – mit Ausnahme einiger weniger
Fachärzte mit Kassenvertrag. Heute sieht Wien anders aus. Wir haben 500 Betten in den Wiener Krankenanstalten Otto-Wagner-Spital, Donauspital, Kaiser-Franz-Josef-Spital und 145 Betten im
Psychiatrischen Krankenhaus Ybbs an der Donau
. Drei von vier Aufnahmen in die stationäre Psychiatrie erfolgen freiwillig. In der Psychiatrie wird Angst immer eine Rolle spielen, aber: Wer sich freiwillig aufnehmen lässt, hat jedenfalls Vertrauen in die Versorgung."

Dr. Georg Psota, seit 1. Jänner 2010 neuer Chefarzt des PSD: "In Wien gab es 1979 rund 400 Suizide pro Jahr. Diese Zahl ist kontinuierlich auf 189 im Jahr 2008 gesunken. Damit ist es Wien als einzigem Bundesland gelungen, die Zahl von 1979 auf unter fünfzig Prozent zu drücken. Laut Weltgesundheitsorganisation ist das
gesundheitspolitische Ziel, weniger als 15 Suizide auf 100.000 Bewohner verzeichnen zu müssen. In Wien hatten wir hier im Jahr 2008 11,25." 

Informationen zum PSD gibt es hier

Der PSD heute

Die Psychosozialen Dienste Wien bilden ein ausgebautes Netzwerk zur Versorgung psychisch kranker Menschen. Neben jeweils einem Sozialpsychiatrischen Ambulatorium in jeder der acht Wiener Versorgungs-regionen stehen psychiatrischen PatientInnen eine Vielzahl spezialisierter Behandlungseinrichtungen offen, zB für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Krisenpsychiatrie sowie Psychotherapie. Darüber hinaus runden Psychosoziale Tageszentren und therapeutische Wohneinrichtungen das Angebot ab.
"Die psychiatrische Versorgung ist kein Randphänomen, sie ist ein Bedarf inmitten der Gesellschaft. Die moderne Psychiatrie ist – vom Kindesalter bis in das hohe Lebensalter – den Menschen und nicht den
Erkrankungen zugewandt, sie ist wertvoll und wichtig", konstatierte Psota.

Die medizinisch-therapeutische Versorgung erfolgt heute durch multidisziplinäre Teams aus FachärztInnen für Psychiatrie, psychiatrischem Krankenpflegepersonal, klinischen PsychologInnen, diplomierten SozialarbeiterInnen und anderen TherapeutInnen.

Die psychosoziale Versorgung von morgen

Für die Zukunft ist mit einem weiter wachsenden Bedarf von psychiatrisch-psychosozialen Leistungen zu rechnen, da psychiatrische Erkrankungen generell und weltweit häufiger werden. "Wir werden wohl in Zukunft in Europa und in den Industrienationen damit umzugehen haben, dass jeder dritte Mensch zumindest einmal im Leben psychisch erkrankt. Dieser Entwicklung ist Rechnung zu tragen", so Psota. Insgesamt sind aber psychiatrische Erkrankungen heute sehr gut behandelbar und haben hohe Heilungschancen. Früherkennung und frühzeitiger Behandlungsbeginn sind dafür aber wesentlich. "Vorbehalte gegenüber psychisch Erkrankten, die viel diskutierte Stigmatisierung, haben heute keinen Platz mehr. Wenn das Thema jeden dritten Menschen im Laufe des Lebens betrifft, dann geht es ausschließlich um gesellschaftliche Integration."

Die Stadt Wien setzt weiterhin auf den Ausbau der psychosozialen Versorgung. "Die Wiener Psychiatriereform wird Schritt für Schritt voran getrieben. Für dieses große und wichtige Projekt im Dienste der Wiener Patienten müssen viele einzelne Maßnahmen gesetzt werden – und viele Menschen und Institutionen zusammen arbeiten", wies Wehsely auf die hohe Qualität der Zusammenarbeit unterschiedlichster Versorgungsbereiche in Wien hin.

"Mit der für heuer geplanten Fertigstellung der neuen Krankenpflegeschule im Kaiser-Franz-Josef-Spital kann der Schulstandort im Herbst von der Rudolfstiftung dorthin übersiedeln. Mitten im dicht verbauten dritten Bezirk wird damit Platz für die neue Psychiatrische Abteilung für die Bezirke 3 und 11 geschaffen. Weitere Vorhaben sind die Übersiedlung der Abteilungen für die Bezirke 17 bis 19 ins Wilhelminenspital, für die Bezirke 20 und 21
ins neue Krankenhaus Nord sowie für die Bezirke 12, 13 und 23 ins Krankenhaus Hietzing", schloss die Gesundheitsstadträtin.

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