Angst vor den Fan-Horden

Anrainer fürchten sich vor dem ersten Rapid-Heimmatch. Werden Mieter nur beschwichtigt? 

Es gibt tausende Rapid-Fans, die mit der Bim anreisen. Dann gibt es noch mehr, die mit U4 oder Schnellbahn nach "St. Hanap­pi" kommen. Von ihnen ist hier nicht die Rede. Sondern von jenen Fangruppen, die von weiter her anreisen. Die aus den Bundesländern mit Reisebussen nach Penzing pilgern. Um den Hausherrn oder die gegnerische Mannschaft anzufeuern. Das sind jene Fußballfans, die den Anrainern in den drei Gemeindebauten in der Deutschordenstraße und dem Hugo-Breitner-Hof die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Flaschen sind leer, die Blasen aber voll

Denn, so schildert Alfred Jeli­nek aus der Waidhausenstraße als Bezirkskoordinator der Mieterbeiräte: "Mannschaften und Fans aus den Bundesländern haben meist eine lange Anreise. Und die Bus-Chauffeure haben ausreichend Getränke mit, oft ganze Bierkis­ten voll, die sie ausschenken. Bei der Ankunft in den Seitengassen rund ums Stadion sind diese Flaschen geleert und die Blasen der Fans voll. Schmerzhaft voll", wie Alfred Jelinek detailliert schildert.

Die Folge ist für Anrainer – speziell für jene, die ebenerdig wohnen – fatal. "Die Fußballfans springen aus den Bussen und erleichtern sich sofort. Das Problem ist nur, dass es in der Deutschordenstraße keine Pissoirs gibt, sondern nur Grünstreifen städtischer Wohnhausanlagen“, so Jelinek stellvertretend für die leidgeprüften Mieter. "Und der Abstand zu den Küchenfenstern beträgt oft nicht einmal zwei Meter. Weder der Anblick noch der Geruch sind Hausfrauen und Kindern ­zumutbar …"

"Polizei will keinen Krieg mit den Fans"

Seit langem bemühen sich die Mietervertreter in Gesprächen mit Polizei, Rapid-Fanleitung und Wohnpartnern um eine Lösung. Doch mehr als Absichtserklärungen sind ­bisher nicht rausgekommen. "Dazu ein Beispiel: Vor der Winterpause war an einem Spielsonntag die Polizei mit gezählten 36 Mannschaftswagen vor Ort?– trotzdem fanden die 'Pisch-Orgien' ungehindert statt. Die Polizei tut nichts, weil sie keinen Krieg mit den Fans riskieren will. Wenn die gegebenen Zusagen nicht erfüllt werden, beginnt das Ganze wieder von ­vorne."

Wie jetzt bei den neuerlichen ­Gesprächen mit Rapid-Fanverantwortlichen. Nach drei Verhandlungsrunden zeigen sich Jelinek und Beiratskollegin Gisela Leitner trotz allem durchaus zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg …"

Die Angst vor dem nächsten Heimspiel

Kann nur heißen: Die Busse mit den Fan-Gruppen werden fortan direkt in der Keißlergasse vor der Südtribüne oder vor dem Bahnhof geleert. Und nicht länger in den Nebengassen. "Dabei bin ich ja auch ein Rapid-Fan", sagt Jelinek. Aber als Bewohner im Umfeld des Stadions könne es keine Vorfreude geben, sondern nur die Angst vor dem nächsten Heimmatch.

  • Adresse: Keißlergasse 6, 1140 Wien

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