Badewonnen im heißesten Museum Wiens

Eigentlich muss das Badezimmer noch nicht ins Museum, es ist nämlich erst rund 100 Jahre alt. Aber die einzigartigen Exponate wie Badeöfen und -wannen von anno dazumal zeigen schon eine stattliche Geschichte des jüngsten Teils der Wohnungen und Häuser. Eine Geschichte, die sich auch um Lebensqualität, Wohn- und Hygieneverhältnisse dreht.

Vom Tröpferlbad bis zum eigenen Wasseranschluss

Baden war zwar bis ins Mittelalter wichtig, im 17. und 18. Jahrhundert wurden aber lieber Puder und Parfum eingesetzt. Erst medizinische Erkenntnisse und die zunehmende Säkularisierung der Lebenswelt brachten der Körperhygiene wieder einen Aufschwung. Die Körperreinigung wurde wieder wichtiger und das Bedürfnis, eine komfortable Waschmöglichkeit zu besitzen, größer. Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglichten technische Innovationen fließendes Warmwasser im Wohnbereich. Aufgrund der hohen Kosten blieb in vielen Haushalten jedoch der Waschtisch bestehen – das Badezimmer blieb ein Statussymbol der Oberschicht.

Um die Notwendigkeit der Körperreinigung im Bewusstsein der Allgemeinheit zu verdeutlichen, wurden im Rahmen der Volksaufklärung Hygienestandards und die positiven Aspekte des Waschens vermittelt. Da die Mehrheit der Bevölkerung über keinen Zugang zu fließendem Wasser verfügte, setzten sich Mediziner für die Einrichtung öffentlicher Badehäuser ein. Durch den Bau so genannter Tröpferlbäder wurde eine breite Bevölkerungsschicht in die Lage versetzt, Duschen und Vollbäder zur privaten Reinigung in Anspruch zu nehmen.

Hygiene seit 123 Jahren

Am 22. Dezember 1887 wurde das erste Wiener Volksbad eröffnet. Das Bad in Wien-Neubau, Mondscheingasse 9, verfügte über getrennte Brause- und Umkleideräume für 42 Männer und 24 Frauen. Als absolute Novität war es das erste Reinigungsbad für den Massenbetrieb in Europa. Im ersten Betriebsjahr besuchten 78.000 Menschen das Bad. Bis zum Ersten Weltkrieg baute die Wiener Stadtverwaltung weitere 18 Brausebäder. Rund 3,5 Millionen Menschen besuchten 1914 diese Tröpferlbäder. Nur 30 Prozent der Badegäste waren Frauen.

Menschenwürdige Wohnungen – hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet – waren ein wichtiges Ziel der Sozialisten, als sie 1922 in Wien an die Macht kamen. Wesentlicher Teil der Wohn-Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder,Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien,

Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc.

Während ein eigenes Badezimmer in den 1920er und 1930er Jahren noch von Wohlstand zeugte, fand nach dem 2. Weltkrieg eine "Demokratisierung" des Bades statt. Das Badezimmer in den eigenen vier Wänden wurde selbstverständlich, Neubauten selbstredend mit eigenen Baderäumlichkeiten ausgestattet und bestehende Wohnungen bestmöglich nachgerüstet.

Platzsparende Alleskönner und neues Berufsbild

Gleichzeitig kamen auch immer mehr neue Gebrauchsgegenstände und elektrische Geräte in Mode, die zum Badezimmer dazugehören. Damit sich das alles in den doch kleinen Räumen ausgeht, setzten "Allibert" – bald ein Synonym für Badezimmerschränke – und auch die Klapp-Schrankbadewanne zu ihrem Siegeszug an.

Mit der zunehmenden Standardisierung des Badezimmers in privaten Haushalten veränderte sich auch das Tätigkeitsfeld des Klempners zusehends. War der Klempner früher ein berufsverwandter des Schmieds, der alle möglichen Blechwaren bearbeitete und Gebrauchsgegenstände wie Eimer, Gießkannen, Kinderspielzeug sowie Dachrinnen und Dachrohre herstellte, entwickelte sich im 20. Jahrhundert der Berufszweig des
Installateurs. Mit speziellen Werkzeugen, wie der Benzin-Lötlampe und dem Rohrabschneider ausgestattet, spezialisierten sich die Installateure auf das Gebiet der Sanitär- und Heiztechnik.

Insgesamt wurde das Bad zu einem reichen Betätigungsfeld der Sanitärindustrie. Das Badezimmer wurde zu einem Spiegel moderner Trends. Ob Fliesen, Armaturen oder Zahnputzbecher – das Badezimmer wurde zum Spielfeld trendiger Designer. Einhergehend mit der Entwicklung des Badezimmers, fand das Bad als
privater Rückzugsort, Ort der Erotik und Gefahr auch Eingang in Film und Literatur. Legendär ist die Duschszene in dem Film "Psycho" von Alfred Hitchcock oder die Schrankwanne der Familie Sackbauer in der
Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter".

WAS: Sonderschau "Badewonnen"
WANN:
6. 2. – 31. 5. + 1. 10. – 28. 12. 2011, Mo-Mi 9-12 + 13-16 Uhr, So 10-16 Uhr
WO:
Brennpunkt –Museum der Heizkultur Wien, 12., Malfattigasse 4
WIEVIEL: € 5,- / ermäßigt: € 3,- / bis 19 Jahre: gratis
INFO: www.brennpunkt.wien.at

Führungen finden an Öffnungstagen jeweils um 10.30 und um 13.30 Uhr statt. Für Gruppen ab zehn Personen sind Führungen nach persönlicher Vereinbarungen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Alle
Führungen sind gratis!

An gesetzlichen Feiertagen ist das Musem geschlossen!

  • Adresse: Malfattigasse 4, 1120 Wien

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