Bürgermeister Michael Häupl im Interview

Die entscheidenden Wochen bis zur Nationalratswahl am 15. Oktober sind angebrochen. SP-Wien-Chef Michael Häupl zeigt sich in Hochform.

WBB: Zufrieden mit dem laufenden SP-Wahlkampf?

Häupl: Bei gewissen Vorfällen gibt es eine weitgehende Überbewertung, etwa bei der unerfreulichen Causa Silberstein. Dabei sind doch Inhalte, wie das Land in den nächsten fünf Jahren gestaltet werden soll, viel wichtiger.

Ist das Rennen verloren?

Nein, natürlich nicht, jetzt ­beginnt ja erst der Wahlkampf. Und es rennen auch alle bei uns. Wir wollen das Wiener Ergebnis von der letzten Nationalratswahl toppen, einen ordentlichen Beitrag zum roten Gesamtergebnis liefern.

2013 kam die SPÖ in Wien auf 31,64 Prozent. Die Prognosen sind schwächer.

Umfragen sind ja Momentaufnahmen. Ich bin überzeugt, dass die SPÖ die Chance auf Platz 1 hat.

Victor Adler hat einmal ­gesagt, besser mit den Massen irren als gegen die Massen recht behalten. ­Berücksichtigt das derzeit nur VP-Kandidat Kurz?

Meine eigene politische Erfahrung entspricht einer anderen Wirklichkeit: Man muss eine Meinung haben, zu der stehen und um sie werben.

Das einzige Thema, mit dem man derzeit durchkommt, ist die Ausländer- und Flüchtlingsfrage.

Das hat mit dem inhaltslosen Rechtspopulismus, den auch der Herr Kurz predigt, zu tun. Er ist ja als Außenminister in einem hohen Maße dafür zuständig, Flüchtlingsströme zu regulieren. Wenn er die Mittelmeerroute schließen will, dann soll er’s einfach machen.

So einfach geht das?

Natürlich nicht, aber Kurz ist ja nicht einmal bereit, den Italienern ein Fuzerl zu helfen. Ein Riesenproblem, so vermute ich, wird demnächst auch Spanien haben.

Warum?

Weil die Flüchtlingsströme dichter werden, weil Landwege weniger gefährlich sind als das offene Mittelmeer.

Muss man die weltweite Tendenz, dass Reiche immer reicher werden, einfach akzeptieren?

Das dürfen wir nicht, die SPÖ-Hauptparole im Wahlkampf versucht hier ja gegenzusteuern. Dass man dafür kämpft, seinen gerechten Anteil zu bekommen, dass die Wirtschaft wieder anspringt und die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Leider gelingt es den Rechtspopulisten, die Armen gegen die Ärmsten aufzuhussen.

Stichwort vieldebattierte Mindestsicherung …

Diese Diskussion erschüttert mich. Leute, die für ein Abendessen mehr Geld aus­geben, als ein Mindestsicherungsbezieher erhält, hacken auf diesen Menschen herum.

Rot-Blau bleibt tabu?

Für mich absolut undenkbar – genauso werde ich kämpfen, dass es zu keiner Neuauflage von ÖVP und FPÖ kommt.

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