Burgfriede bei streitbaren Fiakern

33 Platzkarten im Moment vergeben

Heiß umkämpft ist das Pflaster im ersten Bezirk. Dies gilt nicht nur für Geschäfte, sondern auch für die traditionsreichen Wiener Fiaker. 1693, zehn Jahre nach der zweiten Türkenbelagerung, wurde die erste Lizenz vergeben – doch die Stellplätze für die Kutscher sind bis heute ein immer wiederkehrender Streitpunkt. Bis vor kurzem wurde erneut lautstark über den Vergabemodus der 58 Platzkarten gestritten – kein Wunder bei 200 Konzessionen, die sich auf 33 Unternehmer verteilen: "Das heißt“, erklärt Fiakerin Bettina Fuchs im Gespräch mit dem Wiener Bezirksblatt, "33 Platzkarten sind im Moment vergeben. Kleinunternehmer müssen lediglich zwei Pferde und eine Kutsche vorweisen, um Platzkarten für 365 Tage im Jahr zu erhalten. Die verbleibenden Platzkarten werden auf die übrigen Konzessionen verteilt“, so Fuchs.

Fiaker fordern: Vergabe der Platzkarten nach den Konzessionen

Besonders ärgert sie sich darüber, dass "jedes Unternehmen, das neu auf den Markt kommt, sofort eine Platzkarte erhält. Somit kann es 100 Prozent seiner Betriebsmittel einsetzen. Die Großunternehmen, die bis zu 40 Pferde erhalten müssen, können nur 20 bis 50 Prozent ihrer Betriebsmittel einsetzen." Fazit: "Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen neu aufsperrt – auf Kosten eines anderen Unternehmens.“

Fuchs spricht mit ihrer Forderung den alteingesessenen Großunternehmen aus der Seele: "Es wird endlich Zeit, dass die Vergabe der Platzkarten nach den Konzessionen verteilt wird, damit jeder die gleichen Wettbewerbschancen hat und Gleichberechtigung herrscht.“ Naturgemäß anders sehen dies die „kleinen“ Kutscher, denen zuweilen fehlende Tradition vorgeworfen wird: "Die meisten von uns waren zwanzig Jahre lang Kutscher, bevor sie sich selbstständig machten“, korrigiert Walter Migsich, streitbarer Sprecher von 15 Fiaker-Kleinunternehmen. Bis Jahresende herrscht nun nach Übereinkunft aller Streitparteien ein Burgfriede, im Frühjahr 2011 will die MA 65 entscheiden, ob der Vergabeschlüssel geändert wird.

  • Adresse: Stephansplatz, 1010 Wien

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