Denn in der Ruhe liegt ?die Macht

Es wäre falsch, sich auszuruhen, denn es gibt noch viel zu tun“, plädieren „Heinz aus Wien“ in ihrem Song. Was gibt es nach der Wahl am 25. 4. zu tun?
In unserem Land gibt es eine wirklich große Fülle an Aufgaben. Zum einen die Konsequenzen aus der Wirtschafts- und Finanzkrise. Gleichzeitig gilt es, den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Weiters Wissenschaft und Bildung. Hier müssen harte Anstrengungen unternommen werden, um Fortschritte zu erzielen.

Das Leitmotiv Ihrer Kam­pagne lautet „Unser Handeln braucht Werte“. Und für „ein Österreich, auf das wir stolz sein können“. Worauf können Herr und Frau Österreicher stolz sein?
Österreich ist ein wunderschönes Land, und Österreich hat Ansehen in der Welt. Und worauf ich als politisch interessierter Mensch besonders stolz bin: dass wir wirklich aus der Geschichte der Zwischenkriegszeit, in der der Boden für den Nationalsozialsozialismus bereitet wurde, gelernt haben. Die Zweite ­Republik, das Österreich von heute, ist eine Erfolgsstory. Und ich bin auch auf einzelne Menschen stolz.

Gibt es – was Werte, Ideale, Moral angeht – Persönlichkeiten, die Sie bewundern?
Ich habe Kardinal König und Bruno Kreisky gut gekannt und sehr geschätzt. Es gibt aber auch heute im Flüchtlingswesen Menschen, die ­heroische Arbeit leisten.

Sie haben Kardinal König erwähnt. Sie selbst sind 1995 aus der Kirche ausgetreten – aus einem bestimmten Anlass?
Ja, das war der Fall Groër.

Um Andreas Vitásek zu zitieren: „Schad’, dass ich schon ausgetreten bin, jetzt könnt ich’s nochmal machen.“ Sie sind ja nicht Atheist, sondern Agnostiker
Diesen Begriff hat Bruno Kreisky für sich verwendet und damit zum Ausdruck gebracht: Er schätzt den Wert der Religion, aber er ist nicht überzeugt davon, dass man das, was die einzelnen Religionen verkünden, mit Sicherheit als bewiesen annehmen kann. Er hat sich die Möglichkeit des Zweifels, oder seine Antworten auf letzte Fragen selber zu formulieren, offengehalten – und das hat mir sehr imponiert. Ich habe das ähnlich gefühlt.

Sind Sie mit Kardinal Schönborn in Kontakt – geben Sie ihm aktuell Tipps?
Ja, erst gestern. Es wäre völlig falsch, von „Tipps“ zu sprechen. Es ist einfach ein Gedankenaustausch – zu verschiedensten Themen, auch zu dem jetzt leider besonders aktuellen. Ich habe das Gefühl, dass es hier das wirkliche Bemühen um eine tiefgreifende Aufklärung gibt, und das unterstütze ich natürlich, ohne dass ich mich einmischen kann oder soll.

Wie entscheiden Sie, welche Themen Sie kommentieren?
Es gibt Themen, bei denen feststeht, dass man präsent sein muss – wie Verfassungs- und Außenpolitik oder die Aufarbeitung der Geschichte. Manchmal schaffe ich mir sogar die Gelegenheit, zu solchen Themen etwas sagen zu können, etwa durch Einladungen zu Veranstaltungen. Und zweitens dort, wo ich glaube, dass man Orientierung geben kann. Zu Wertefragen, Grundsätzen, zu Menschenrechten.
Dann muss man schon vorsichtig sein. Wenn man zu häufig Stellung nimmt, nützt sich das ab. Und ich glaube, dass ich häufiger Stellung nehme, als das frühere Bundespräsidenten getan haben. Außerdem steht dem Verlangen, dass ich parteipolitische Themen kommentiere, unweigerlich die Frage gegenüber: Warum mischt er sich da ein?

Wenn man mit den Menschen spricht, scheint Sie jeder zu mögen …
Jeder ist übertrieben.

… Die Frage wäre trotzdem, ob Sie überhaupt noch wahlzukämpfen brauchen.
Erstens ist auf jeden Fall ein echtes Bemühen um eine vernünftige Wahlbeteiligung nötig. Zweitens geht es nicht nur ums Abgeben des Stimm­zettels am Wahltag, sondern auch darum, dass man gewisse Themen wieder in den Vordergrund rückt. Und darüber hinaus: Wir leben in einer Zeit, in der Vertrauen, Sicherheit und Glaubwürdigkeit wichtig sind. Man kann mir keinen einzigen Fall nennen, wo ich das Amt des Bundespräsidenten für Parteipolitisches missbraucht hätte. Es ist einfach mein Ehrgeiz, ein Bundespräsident zu sein, zu dem man Vertrauen haben kann und der sich alles gut überlegt.

Hatten Sie Zweifel, ob Sie wieder kandidieren möchten?
Zweifel ist nicht der richtige Ausdruck, aber die Diskus­sion in den Medien, wer zur Wahl 2010 antreten könnte, hat ja schon im Frühjahr 2009 begonnen, und da hab ich mir Zeit genommen und viel nachgedacht. Ich bin aber eigentlich immer sicherer geworden, dass es falsch wäre, „Nein“ zu sagen und sich vorhalten zu lassen, dass man davonläuft oder es sich bequem machen will.

Treffen Sie den Bundespräsidenten

10 Leser des WIENER BEZIRKSBLATTs dürfen Dr. Heinz Fischer persönlich treffen. Schicken Sie bis 14. 4. eine E-Mail (mit Begründung, warum ­gerade Sie?…) an gewinn@wienerbezirksblatt.at bzw. eine Postkarte an WIENER BEZIRKSBLATT, Schottenfeldgasse 24, 1070 Wien (KW: UHBP) und plaudern Sie mit dem ersten Mann im Staat über seine 9-monatige Enkeltochter Anna („natürlich das süßeste Baby Österreichs“), seine Frau Margit („Im Mai sind wir im 500. Ehemonat!“) oder darüber, welches ambitionierte Ziel er sich für eine zweite Amtszeit vorstellen könnte, nachdem er in der ersten alle Bezirke ­Österreichs besucht hat.


Hier lesen Sie das ganze Interview im Wortlaut

  • Adresse: Hofburg, 1010 Wien

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