Der „Wellness-Greißler“? von Hietzing

Man fühlt sich gleich heimelig. Wenn man das Geschäft des Herrn Professors gefunden hat. Was als Ortsunkundiger gar nicht so selbstverständlich ist, liegt das "Nacken-well"-Studio ja nicht gerade an einer Durchzugsstraße. Doch dazu später.
Selten zuvor wurden wir – mit ­Fotograf Willi Denk an der Seite – dermaßen herzlich und zuvorkommend empfangen. Der Hausherr, der 53-jährige Facharzt für Strahlentherapie am AKH Dr. Otto Schlappack, präsentiert uns gleich seinen ganzen Stolz. Denn er betreibt mit Gattin Roswitha, einer 59-jährigen pensionierten Krankenschwester, nicht nur das Fußpflege-Studio, sondern zeigt uns gleich sein neues "Kaffee-Diplom“. Und lächelt: "Ich möchte halt, dass sich die Besucher wirklich wohlfühlen. Dazu gehört auch ein guter Kaffee“, ist ­Otto Schlappack überzeugt. Auch wir haben angesichts des herrlichen Cappuccino keine Zweifel mehr.
Zurück zum Thema. Herr Professor, zwei Fragen, die unter den Nägel brennen: Wie sind Sie eigentlich auf den Firmennamen gekommen? Und warum gerade hier, abseits des Durchzugsverkehrs?
Otto Schlappack überlegt. Und führt aus: "Ich wollte ­eine neue Marke kreieren. Außerdem sind andere, einfachere Namen bei der Firmenanmeldung nicht durchgegangen. Also wurde es 'Nacken-well‘. Und ich finde es gut.“ Zum Standort sagt er klar: "Wir zahlen hier ein Drittel der Miete vom Lainzer Platz, der in der Nähe ist. Das ist schon ein Argument. Wir haben nicht so viel Laufkundschaft, das stimmt, sondern setzen mehr auf Mundpropaganda.“
So zufrieden wie heute war das Ehepaar Schlappack nicht immer mit dem Platz. Früher war gegenüber des Lokals kein Hofer-Supermarkt, sondern eine Hundestation. "Das war schon sehr unangenehm, überhaupt in der Nacht war uns mulmig zumute“, so der Firmenboss. "Jetzt ist aber durch den Hofer mehr los und das ist gut für uns.“
Irgendwie kurios. Ein Strahlentherapeut, der ein Wellness-Studio im Geiste eines gemütlichen Greißlers führt. "Ich bin 20 Stunden in der Woche im AKH. Vormittags im Spital, nachmittags hier. Meine Frau kümmert sich darum, dass ­alles läuft.“ Wird man reich damit? "Wir könnten alleine nicht davon leben. Aber so geht’s. Wichtig ist uns, dass wir den Leuten helfen können.“

Eine bunte und ­gepflegte Mischung

Einfach und klar auch der ­Beweggrund, "Nacken-well“ überhaupt aus der Taufe zu heben. ­Otto Schlappack war "klar, dass eine Ordination als Strahlentherapeut nicht sinnvoll ist. Doch ich wollte unbedingt ein gewerbliches Geschäft eröffnen. Also habe ich am 8. Mai 2008 den Friseurladen gepachtet und umgestaltet. Andere Fußpflegestudios sind oft nicht reizvoll hergerichtet – wir versuchen hingegen, gemütlich und ordentlich zu sein.“ Für die Nagel- oder Fußpflege, für eine Nacken- oder Ganz­körpermassage im ers­ten Stock, eine Akupunktur- oder homoöpathische Behandlung. Eine bunte Mischung. Wie beim berühmten Greißler ums Eck.

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