Der Fernambukbaum und die streichenden Virtuosen

In einem beschaulichen Haus in der Stachegasse im 12. Bezirk wird in einer hellen, freundlichen Werkstatt ein Stück Musikgeschichte geschrieben – beim Bogenmachermeister Thomas Gerbeth.

Wenn man mit Thomas Gerbeth spricht, merkt man, dass hier jemand seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Aber trotzdem – wie kommt man dazu, Bogenmachermeister zu werden? „Naja, ich komme aus einer Familie von Berufsmusikern und spiele selbst Geige, war aber immer zu faul zum Üben“, erzählt Gerbeth schmunzelnd. Tatsächlich ist der Beruf generell eher selten, aber geradezu paradox ist, dass es in Wien – weltweit als „die“ Musikstadt bekannt ist – noch bis 1997 gar keinen Bogenbauer-Meister gegeben hat. Und bis heute ist Thomas Gerbeth der einzige in ganz Österreich geblieben.
Eine Berufung
Auf die Frage, was er denn aber besonders an seinem Beruf liebt, gerät der sympathische Bogenmacher erst richtig ins Schwärmen: „Ich arbeite mit unglaublich schönen Rohstoffen und mit Musikern aus der ganzen Welt zusammen. Jetzt gerade habe ich z. B. zahlreiche Aufträge aus Japan.“ Beinahe ehrfürchtig fährt er fort: „Wenn man dann auch noch einen Originalbogen von FranÇois Xavier Tourte (Anm. der Franzose wird als ‚Stradivari des Bogens‘ bezeichnet) aus dem frühen 19. Jahrhundert in Händen hält, wird schon ein Traum wahr. So ein historischer Bogen kostet übrigens 100.000 Euro aufwärts und ist ein echtes Sammlerstück.“
Der Fernambukbaum
Seit 2007 hat sich Gerbeth dem Artenschutz dieses Baumes, aus dem alle Geigenbögen gemacht sind, verschrieben. Der brasilianische Baum ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Widerspruch zu seinem Beruf stellt das keinen dar, da er bis zum Ende seines Arbeitslebens mit zwei Bäumen für alle Bögen auskommen wird.

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