Der Kult um das kleine Geschäft

Ein Mensch verbringt in etwa sechs Jahre seines Lebens auf der Toilette. Dass es hierbei nicht egal ist, wo das Geschäft verrichtet wird, versteht sich von selbst – man will schließlich auch beim Urinieren und so einen gewissen Komfort genießen. Und bestimmt nicht nur daheim. Öffentliche Bedürfnisanstalten sind ein mit Leidenschaft vieldiskutiertes Thema: Wie weit ist der Weg zur nächsten Toilette, wie lange muss man anstehen und ganz wichtig: Ist das stille Örtchen auch sauber genug?

Um diesen zentralen Bedürfnissen der Wiener und seinen Touristen gerecht zu werden, gibt es in unserer Stadt zurzeit 302 öffentliche Toilettenanlagen, für deren Instandhaltung die Bezirke jährlich rund 500.000 Euro löhnen. In Meidling zum Beispiel wurde ein gendergerechtes WC errichtet. Was man sich darunter vorstellen darf? Das Konzept heißt Angebot und Nachfrage: Am Meidlinger Markt benutzen mehr Männer die öffentlichen Toiletten und so wurden diese einfach aufgestockt und die der Damen reduziert.

Jausnen im Sacher, pinkeln am Graben

31 der 302 Bedürfnisanstalten in Wien stehen unter Denkmalschutz. Die wohl berühmteste ist jene am Graben, die den Wien-Besuchern in fast allen Reiseführern als Sehenswürdigkeit empfohlen wird. Die 1905 von Wilhelm Beetz (ihm verdanken wir die ersten öffentlichen WCs der Stadt) errichtete Jugendstiltoi­lette ist das älteste unterirdische Klo der Welt.

Weitere Schmankerln gefällig? In der Nähe des Esslinger Bill-Grah-Parks wurde ein ehemaliges Alt-Wiener öffentliches WC zu einem Mini-Jazz-Museum umfunktioniert. Musikalisch geht es auch in der Opera Toilet Vienna zu, die mit Donauwalzer beim Notdurft-Verrichten für besonders angenehme Momente am stillen Örtchen wirbt. 2006 sorgten vier Pissoirs für einen großen Wirbel, weil Mann sich hier vor wie geöffnete Frauenmünder gestalteten Urinalen erleichterte. Als der "Skandal“ nach drei Jahren publik wurde, hat sie der Betreiber abmontiert und für 5.000 Euro im Internet versteigert.

Zukunft der Toiletten

Aber genug mit der Vergangenheit, denn auch in der Zukunft steht uns in Sachen Wasserlassen eventuell einiges ins Haus. Eine Errungenschaft in puncto Gleichberechtigung soll ein Gerät bringen, mit dem auch Frauen im Stehen pinkeln können. Ein Must-have für jede Handtasche? Der Slogan verspricht, dass "auch Frau frei entscheiden kann, wo und wie sie hygienisch, sicher und in aller Ruhe urinieren kann“. Bei uns gibt es den Wundertrichter aber noch nicht zu kaufen.

Auch in anderen Teilen der Welt beschäftigt man sich intensiv mit dem stillen Örtchen. Ein Trend in Japan ist zum Beispiel das "Washlet“, dessen Toilettenbrille auf Körpertemperatur beheizt wird, Wassertemperatur und -druck der Bidetfunktion sind frei wählbar und der Sitz ist mit einem geruchsfilternden Lüfter versehen. Bis dieses Hightech-Klo aber zu uns kommt, wird noch viel Wasser den Abfluss hinunterrinnen. Wir in Wien spülen in öffentli­chen Toiletten übrigens ca. 76.000 m3 Wasser das WC hinunter. Bei Neu- und Umbauten der Wiener Bedürfnisanstalten werden seit 2009 aber nur mehr wasserlose Urinale verwendet. Dadurch werden hochgerechnet 1.700 m3 Trinkwasser im Jahr eingespart. Ein Fortschritt, der wirklich etwas bringt.

Wusstest du, dass…

  • Überblick. Seit dem Relaunch der Homepage www.wien.at kann man sich die öffentlichen Toiletten auf dem Stadtplan anzeigen lassen. (Auf der linken Seite unter "Saubere Stadt" – "WC-Anlange" anhaken)
  • Handlich. Pfizer hat einen Toiletten-Stadtführer herausgebracht. Wir verlosen 5 Stück. Schicken Sie ein Mail mit Kennwort "Toilette“ an: gewinn@wienerbezirksblatt.at
  • Vermieten. Für Baustellen und Veranstaltungen muss der Betreiber WCs zur Verfügung stellen. Die Firma Mobi­clo gibt an, jährlich 3.000 WCs in Wien zu vermieten.
  • Spitzenreiter. Die Toilette im Rathauspark, Höhe Lichtenfelsgasse ist das am stärksten frequentierte öffentliche WC in Wien: rund 400.000 Benutzer jährlich.
  • Kosten. 270 der 302 öffentlichen Bedürfnisanstalten in Wien sind kostenlos. Mit Reinigungspersonal kostet’s 50 Cent. Für Kinder bis 14 Jahre ist die Benutzung gratis.
  • Adresse: Rathaus, 1010 Wien

Der Kult um das kleine Geschäft

Ein Mensch verbringt in etwa sechs Jahre seines Lebens auf der Toilette. Dass es hierbei nicht egal ist, wo das Geschäft verrichtet wird, versteht sich von selbst – man will schließlich auch beim Urinieren und so einen gewissen Komfort genießen. Und bestimmt nicht nur daheim. Öffentliche Bedürfnisanstalten sind ein mit Leidenschaft vieldiskutiertes Thema: Wie weit ist der Weg zur nächsten Toilette, wie lange muss man anstehen und ganz wichtig: Ist das stille Örtchen auch sauber genug?

Um diesen zentralen Bedürfnissen der Wiener und seinen Touristen gerecht zu werden, gibt es in unserer Stadt zurzeit 302 öffentliche Toilettenanlagen, für deren Instandhaltung die Bezirke jährlich rund 500.000 Euro löhnen. In Meidling zum Beispiel wurde ein gendergerechtes WC errichtet. Was man sich darunter vorstellen darf? Das Konzept heißt Angebot und Nachfrage: Am Meidlinger Markt benutzen mehr Männer die öffentlichen Toiletten und so wurden diese einfach aufgestockt und die der Damen reduziert.

Jausnen im Sacher, pinkeln am Graben

31 der 302 Bedürfnisanstalten in Wien stehen unter Denkmalschutz. Die wohl berühmteste ist jene am Graben, die den Wien-Besuchern in fast allen Reiseführern als Sehenswürdigkeit empfohlen wird. Die 1905 von Wilhelm Beetz (ihm verdanken wir die ersten öffentlichen WCs der Stadt) errichtete Jugendstiltoi­lette ist das älteste unterirdische Klo der Welt.

Weitere Schmankerln gefällig? In der Nähe des Esslinger Bill-Grah-Parks wurde ein ehemaliges Alt-Wiener öffentliches WC zu einem Mini-Jazz-Museum umfunktioniert. Musikalisch geht es auch in der Opera Toilet Vienna zu, die mit Donauwalzer beim Notdurft-Verrichten für besonders angenehme Momente am stillen Örtchen wirbt. 2006 sorgten vier Pissoirs für einen großen Wirbel, weil Mann sich hier vor wie geöffnete Frauenmünder gestalteten Urinalen erleichterte. Als der "Skandal“ nach drei Jahren publik wurde, hat sie der Betreiber abmontiert und für 5.000 Euro im Internet versteigert.

Zukunft der Toiletten

Aber genug mit der Vergangenheit, denn auch in der Zukunft steht uns in Sachen Wasserlassen eventuell einiges ins Haus. Eine Errungenschaft in puncto Gleichberechtigung soll ein Gerät bringen, mit dem auch Frauen im Stehen pinkeln können. Ein Must-have für jede Handtasche? Der Slogan verspricht, dass "auch Frau frei entscheiden kann, wo und wie sie hygienisch, sicher und in aller Ruhe urinieren kann“. Bei uns gibt es den Wundertrichter aber noch nicht zu kaufen.

Auch in anderen Teilen der Welt beschäftigt man sich intensiv mit dem stillen Örtchen. Ein Trend in Japan ist zum Beispiel das "Washlet“, dessen Toilettenbrille auf Körpertemperatur beheizt wird, Wassertemperatur und -druck der Bidetfunktion sind frei wählbar und der Sitz ist mit einem geruchsfilternden Lüfter versehen. Bis dieses Hightech-Klo aber zu uns kommt, wird noch viel Wasser den Abfluss hinunterrinnen. Wir in Wien spülen in öffentli­chen Toiletten übrigens ca. 76.000 m3 Wasser das WC hinunter. Bei Neu- und Umbauten der Wiener Bedürfnisanstalten werden seit 2009 aber nur mehr wasserlose Urinale verwendet. Dadurch werden hochgerechnet 1.700 m3 Trinkwasser im Jahr eingespart. Ein Fortschritt, der wirklich etwas bringt.

Wusstest du, dass…

  • Überblick. Seit dem Relaunch der Homepage www.wien.at kann man sich die öffentlichen Toiletten auf dem Stadtplan anzeigen lassen. (Auf der linken Seite unter "Saubere Stadt" – "WC-Anlange" anhaken)
  • Handlich. Pfizer hat einen Toiletten-Stadtführer herausgebracht. Wir verlosen 5 Stück. Schicken Sie ein Mail mit Kennwort "Toilette“ an: gewinn@wienerbezirksblatt.at
  • Vermieten. Für Baustellen und Veranstaltungen muss der Betreiber WCs zur Verfügung stellen. Die Firma Mobi­clo gibt an, jährlich 3.000 WCs in Wien zu vermieten.
  • Spitzenreiter. Die Toilette im Rathauspark, Höhe Lichtenfelsgasse ist das am stärksten frequentierte öffentliche WC in Wien: rund 400.000 Benutzer jährlich.
  • Kosten. 270 der 302 öffentlichen Bedürfnisanstalten in Wien sind kostenlos. Mit Reinigungspersonal kostet’s 50 Cent. Für Kinder bis 14 Jahre ist die Benutzung gratis. 

Interessante Zahl: 17

In der Inneren Stadt gibt es insgesamt 17 öffentliche WC-Anlagen, drei davon sind derzeit geschlossen. Zehn Anlagen sind mit einer Kabine für Menschen mit Behinder­ungen ausgestattet.

  • Adresse: Graben, 1010 Wien

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