Der letzte Greißler vom Wilhelminenberg

Es ist schön, hier im Grünen zu wohnen.“ Was sich nach einem „Aber“ anhört, hat bei Leserin Christie Rosenbaum auch eines. „Die Kehrseite ist das absolute Fehlen von Infrastruktur. Früher gab es hier vier Lebensmittel- und ein Milch­geschäft, eine Fleischhauerei, eine Post und einen Friseur.“

„Auf die nächsten 99 Jahre“ wäre Hohn

Rosenbaum erwähnt den kleinen Laden gegenüber dem ­Ottakringer Bad – Feinkost Kronsteiner. Ingeborg Kronsteiner hat im Meinl gelernt, steht seit 45 Jahren hinter der Theke, das Geschäft gibt es seit 99 Jahren. Der 100er könnte sich noch ausgehen, viel mehr wohl nicht. „Ich wüsste keinen, der sich das antun würde. Ich war das letzte Mal vor 20 Jahren im Urlaub. Für 3 Tage. Wer will das schon?“

Im Schnitt habe sie 15 Kunden am Tag – 10 am Vormittag und 5 am Nachmittag. Für ihre Einschätzung, dass man lieber in die Supermärkte in der Sandleitengasse oder Hütteldorfer Straße fährt, ist Frau Rosenbaum das lebende Beispiel. „Mit vollen Einkaufstaschen vom Laden den Berg hinaufzukeuchen ist mir zu mühsam.“

Das „Ökosoziale Forum Wien“ hat 2008 den Einzugsbereich von Feinkost Kronsteiner in der Johann-Staud-Straße 14 erhoben. Auf gerade mal 317 Meter sind die Forscher gekommen. Genutzt werde der Greißler zur Ergänzung des Großeinkaufs um Kleinigkeiten. „Ich denke, Geschäftsleute hätten hier auch keine Chance, denn wir Konsumenten sind selbst mit schuld daran, dass einer nach dem anderen zusperrt. Alle jammern den Klein- und Mittelbetrieben nach und bevorzugen doch die Supermärkte.“

Ein treffender Schlusssatz von Frau Rosenbaum. (nic, svb)

  • Adresse: Johann-Staud-Straße 14, 1160 Wien

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