Der letzte Tanz

Am 26. Jänner feiert die Kammerschauspielerin und Nestroy-Ring-Trägerin Erni Mangold ihren 90. Geburtstag – am Tag darauf, den 27. Jänner, erscheint der preisgekrönte Film „Der letzte Tanz“ mit Mangold und Daniel Strässer in den Hauptrollen. Der Film wurde als „Bester österreichischer Spielfilm“ (Diagonale 2014) ausgezeichnet. Erni Mangold wurde ebendort, sowie beim Österreichischen Filmpreis 2015 für ihre Darstellung als „Beste Schauspielerin“ geehrt. Das „Snowdance Festival“ 2015 zeigte „Der letzte Tanz“ als Eröffnungsfilm.

Der Filmemacher Houchang Allahyari konfrontiert seinen Protagonisten mit einem Rechtssystem, in dem der Schuldspruch bereits vor der Verhandlung gesprochen wurde. Ein System, das er auch perspektivisch als übermächtig inszeniert. An diesem Punkt kommt es zum formalen Bruch, „Der letzte Tanz“ geht zurück in die nahe Vergangenheit. Das düstere Schwarz-Weiß weicht der Farbe, Karl ist noch nicht Vorverurteilter, sondern Zivildiener in der geriatrischen Abteilung eines Krankenhauses. Auch hier ist der Alltag gesäumt von Hierarchien – von der regimentführenden Oberschwester bis hinab zu den Patienten –, doch Karl kann sich mit dieser Hackordnung arrangieren.

Während er im Privaten eine Liaison mit seiner Schulliebe beginnt, entwickelt er in der Arbeit eine innige Beziehung zu einer betagten Alzheimerpatientin (Erni Mangold), die durch seine empathische Fürsorge zu neuer Jugend erwacht. „Die schert sich um gar nichts, die Geier-Wally“, liest ihr Karl aus dem gleichnamigen Roman vor. „Die schert sich um gar nichts, die Eckert“, könnte es angesichts der koketten Unangepasstheit seiner Patientin genauso gut heißen.

In zärtlichen, niemals bloßstellenden Bildern verdichtet Allahyari verschiedene Perspektiven auf Zwischenmenschlichkeit und erzählt von einer Liebe, die in der Gesellschaft so nicht vorgesehen ist. Und von den Mechanismen, die sich unter dem Deckmantel der Rechtschaffenheit in Gang setzen, sobald ein Tabu die Konvention gesellschaftlicher Norm herauszufordern wagt.

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