Die Familie als Ort der Gewalt: Wer hilft?

Der tragische Fall eines zu Tode geprügelten Dreijährigen hat die Öffentlichkeit wieder für das Thema Gewalt in der Familie sensibilisiert. Gut so, denn Kinder sind die Wehrlosesten im Familienverband. Sie brauchen Hilfe und Unterstützung. Ebenso wie Frauen, die geschlagen werden. Die zunehmende Aufmerksamkeit für das Thema führt zwangsläufig zur Frage, ob Gewalt in der Familie zugenommen hat. Eine Frage, die Experten nicht beantworten können. Klar ist, dass die Zahl der Anzeigen in den letzten zehn Jahren gestiegen ist. 1999 gab es in Wien 548 Anzeigen wegen Gewalt in der Familie, 2009 waren es bereits 4.315. Experten weisen aber darauf hin, dass es bessere gesetzlichen Regelungen und mehr Hilfestellungen den Opfern leichter machen, sich den Behörden anzuvertrauen. Auch sind die Menschen inzwischen besser informiert über Schutzmöglichkeiten, die ihnen gesetzlich offenstehen. Alle Gewalttaten sind nach unseren Gesetzen strafbare Handlungen, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb der Familie verübt werden. Also kann die Polizei eine Wegweisung und ein Betretungsverbot eines Hauses oder einer Wohnung aussprechen, das vorerst für zehn Tage gilt. Das hat sie in Wien im Vorjahr mehr als 3.000 Mal getan.

Die Täter sind zumeist männlich

In 92 Prozent der Fälle waren die Täter männlich. Gewalt in der Familie ist eindeutig von Männern verursacht. Zwei Drittel dieser Männer sind Österreicher. Eindeutig ist auch die Beziehung Opfer – Täter. In 80 Prozent der Fälle droht und schlägt der aktuelle oder Expartner. Das enge Verhältnis der Opfer zum Täter erklärt auch die Skrupel, Anzeige zu erstatten. Schließlich spielen ja auch finanzielle Abhängigkeiten eine Rolle. Übrigens ist Gewalt in der Familie in allen Gesellschaftsschichten angesiedelt, wie die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie weiß. Die Experten haben auch Tipps für den Umgang mit Gewalt in der Familie: Reagieren und Einmischen hilft. Ignorieren und Wegschauen hilft den Opfern nicht, lässt aber denen, die Gewalt ausüben, freie Bahn. Im Akutfall, wenn man zum Beispiel Hilfeschreie aus der Nachbarwohnung hört, sollte man – möglichst mit der Unterstützung anderer Menschen – die Gewaltausübung zu beenden versuchen. Das erfordert freilich einiges an Courage. Wenn es zu gefährlich erscheint, sich einzumischen, ruft man am besten den Polizeinotruf 112 oder 133.

Rettende Zuflucht Frauenhaus

Große Hilfe für Kinder und Frauen bieten auch die vier Wiener Frauenhäuser. Fast 600 Frauen und ebenso viele Kinder haben dort im Vorjahr Schutz und Hilfe erhalten.  Leider werden es künftig nicht weniger sein. „2012 wird ein neues Frauenhaus in Betrieb genommen. Es löst ein altes Frauenhaus ab, das nicht mehr den erforderlichen Standards entspricht“, verspricht Frauenstadträtin Sandra Frauenberger. Denn für alle Experten ist klar, dass die Mehrzahl der Gewaltfälle in der Familie gar nicht bekannt wird.

Die Zahl der Woche: 3.730

Kinder waren 2009 (Mit)opfer von Gewalt in Wien, weil sie oder ihre Mütter geschlagen oder bedroht worden sind. Dabei sind das nur die angezeigten Fälle.

Bei Gewalt in der Familie gibt es Stellen, die rasch und gratis helfen:

Gewalt gegen Frauen
Kindernotruf: 0800 567 567
Kinderschutzzentrum Wien: 01/526 18 20
Wiener Interventionsstelle: 01/585 32 88
24-Stunden Frauennotruf: 01/71 71 9
Frauenhäuser Wien: 057722

  • Adresse: Fleischmarkt 14, 1010 Wien

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