Die Nacht

DIE NACHT

Eine Inszenierung von wenn es so weit ist

Zum Stück

Ein Namenloser ist in einer regnerischen Nacht auf der Suche nach einem Zimmer. Vor sich hin redend und schimpfend versucht er, sich die Welt zu erklären. „Die Nacht kurz vor den Wäldern" von Bernard Marie Koltés ist ein einziger Gedankenfluss, gerichtet an einen imaginären Fremden, der gutwillig genug ist, dem einsamen Redner zuzuhören. Der träumt davon, sich auf eine Wiese zu legen, mit dem ganzen Himmel oben drüber, um sich über alles klar zu werden. Aber Koltès lässt seinen Helden im Regen stehen. Ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Behausung, immer wieder verjagt und heimatlos gemacht, streunt er durch die Straßen.

Der Tristesse des Milieus stemmt Koltès seine harte, klare Sprache entgegen. Und so überwiegt am Ende die Wut gegenüber der Wehmut, siegt der Trotz über die Trauer. Der Text ist ein Resümee, eine Liebeserklärung an die Stadt, an ihre Möglichkeiten, an ihre Sehnsüchte.

Zur Inszenierung

Jacqueline Kornmüller arbeitet mit dem öffentlichen Platz als "Bühne". Einzig die Zuschauer sind in der Lage dem Stück zur Gänze zu folgen. Der zufällige, vorbeikommende Betrachter ist Bereicherung des Handlungsablaufs.

„Der ortlose Mensch als unser Spiegel. Wer sind wir, wenn wir auf unseren „Knochen" schauen, wenn – wie der Turiner Philosoph Sergio Benvenuto anhand einer Betrachtung über „Hable con ella" von Almodovar schreibt – wir keine äußeren Bestimmungsstücke zur Verfügung haben, all unsere gesellschaftliche Anbindung null und nichtig ist? Diese Frage wirft Koltés in „Die Nacht kurz vor den Wäldern" mit aller theatraler Leidenschaft auf. Das Stück vermag einerseits Sympathie und Anteilnahme für den Obdachlosen, Ausgestoßenen zu erwecken, andererseits sehen wir unseren eigenen Zustand in dem Namenlosen. Er erklärt uns die Welt durch seine Augen, aus seiner Perspektive. Koltés lässt ihn durch das breite Spektrum des Menschseins wandern: der Sandler erzählt von seinem Ausstieg aus der bürgerlichen Welt, von gesellschaftlichen Veränderungen und poltischen Machenschaften und von einer Liebesgeschichte, die er mitten in der Stadt auf einer Brücke mit einer Frau erlebt. All dies ist im öffentlichen Raum hautnah erlebbar, hier kommen wir dem Menschen ganz nah", so Jacqueline Kornmüller über das Stück.

Zum Autor

Der französische Autor Bernard Marie Koltés (1948-1989) schreibt 1976 seinen ersten dramatischen Text „Die Nacht kurz vor den Wäldern" und wird damit über Nacht zum Star. 1983 eröffnete Patrice Chereau sein Théâtre des Amandiers in Paris Nanterre mit „Kampf des Negers und der Hunde" und inszenierte in der Folge alle Stücke des Autors. Von 1986 bis 1990 folgten in jährlichen Abständen Uraufführungen auf europäischen Bühnen. 1989 starb Bernard-Marie Koltès im Alter von 41 Jahren an den Folgen von Aids.


Die Nacht

Inszenierung: Jacqueline Kornmüller
Schauspieler: Peter Wolf

Projektleitung: Niki Wildner

Grafik: Larissa Cerny

Presse: apomat* büro für kommunikation

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