Diplomaten lieben Währing

Zum Beispiel Luxemburg. Das nennt sich zwar Großherzogtum, ist aber mit 502.000 Einwohnern ein europäischer Kleinstaat. Das Land verfügt mit dem Ösling im Norden über einen bewaldeten Mittelgebirgszug, der bei gutem Willen als Währinger Wienerwald durchgehen kann. Während in Währing aber die Tierwelt prächtig gedeiht (siehe Wildschwein-Bericht auf S. 22), sind die Wildtiere im Ösling akut in Gefahr. 54,8 Prozent der Säugetierarten, 41,5 Prozent der Vogelarten, 33 Prozent der Reptilienarten, 71,4 Prozent der Amphibien und 62 Prozent der Fischarten in Luxemburg sind bedroht. Da geht es Madagaskar fast ähnlich. Die Heimat der (echten) Lemuren hat ihr Generalkonsulat in der Pötzleinsdorfer Straße. Nicht dort, sondern in Madagaskar wird der Lebensraum der seltenen Tierarten durch Abholzung, Überweidung und Holzkohleherstellung stetig dezimiert. Dezimiert werden auch die Touristenstrände in Thailand. Das ist besonders auffällig im Urlaubsparadies Phuket, wo die oft 30 Meter breiten Sandstrände wegen der Klima­erwärmung auf zehn Meter oder weniger zurückgestutzt worden sind. Die Botschaft in Wien selbst hat mehr Glück. Sie liegt sicher am Berghang in der Cottagegasse. Übrigens hat Thailand im Gegensatz zum Großherzogtum Luxemburg einen König. Und der hat einen überraschenden Österreich-Bezug. Bhumibol Adulyadej amtiert seit 1946 als Staatsoberhaupt. Nur noch drei Jahre und er wird Kaiser Franz Joseph einholen, der 1916 nach 68 Kaiserjahren das Zeitliche gesegnet hat. Überhaupt sind die asiatischen Staaten Botschafts-Schwerpunkte im Bezirk. Auch Indonesien, Usbekistan und Südkorea repräsentieren ihre Staaten von Währing aus. Dazu noch Israel und
die Ukraine. Das Land am Schwarzen Meer hat einen Löwen im Wappen. Auch Thailand gibt sich mit Adlerkrallen im Wappen kämpferisch. Indonesien lässt den Garuda-Adler drohend auf dem Wappen prangen. Währing hingegen gibt sich betont pazifistisch. Drei Schutzheilige, ein Esel und zwei Träger samt Weintraube passen auch besser zum Leben im 18.

Diplomaten lieben Währing

Der achtzehnte Bezirk scheint eine besondere Wirkung auf das diplomatische Corps auszuüben. Sieben Botschaften und ein Kunsulat haben ihre Adresse zwischen Wienerwald und Gürtel in Währing. Thailand, Luxemburg, Israel, die Ukraine, Indonesien, Usbekistan und Südkorea haben ihre österreichischen Vertretungen hier angesiedelt. Aber was machen Botschafter eigentlich? Sie sind die diplomatischen Vertreter ihres Landes. Sie übermitteln Nachrichten ihrer Regierung an die Regierung Österreichs und umgekehrt. Sie berichten ihrer Regierung über wichtige politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und militärische Ereignisse von Belang. Und sie fördern ihr Land in Österreich. Spätestens seit der Veröffentlichung der geheimen Berichte diverser US-Botschaften in aller Welt durch die Internetplattform "Wikileaks" hat such die Öffentlichkeit einen Eindruck über das, was Botschafter im Gastland interessiert.

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