Ein „Fußballgott“ ohne Starallüren

Pünktlich um 13 Uhr erscheint Steffen Hofmann beim Treffpunkt vor der Buchhandlung Thalia. In den kommenden zwei Stunden wird er mir bei einem Spaziergang sein privates Revier zeigen. „Ich mag die Mariahilfer Straße und die netten Seitengassen. Da gibt’s immer wieder neue, interessante Sachen zu entdecken“, schwärmt der Rapid-Kapitän von der Gegend rund um Österreichs größte Einkaufsstraße.

Ein Spaziergang in seinem Revier

Seit dreieinhalb Jahren lebt Steffen Hofmann im 6. Bezirk. „Ich hab davor noch nie so zentral in einer Großstadt gewohnt. Weder in München noch bei meinem ersten Engagement bei Rapid“, beginnt er seine Erzählung. Und wie wohnt es sich so in Zentrumsnähe? „Wunderbar. Schön ist es hier“, lächelt er. Das Hanappi-Stadion in Hütteldorf ist für den „Fußballgott“ quasi seine Kathedrale. Seine Wohnung in Mariahilf das, was für seinen bayrischen Landsmann Papst Benedikt Castel Gandolfo ist.
„Bist du ein gläubiger Mensch?“, will ich von Steffen wissen. Er nickt. Erst kürzlich war er wieder in der Kirche. Genauer gesagt, im Kellergeschoß der Barnabitenkirche. „Steff“ hat Decken für die Gruft gespendet und sie den Obdachlosen überreicht. „So ist er“, schwärmt Sylvia Hofmann von ihrem (nicht mit ihr verwandten) Namensvetter. Mit dem Fußballstar ist die Abteilungsleiterin des Wiener Hilfswerks über Steffens Schwiegereltern, die Frau Hofmann schon lange kennt, in Kontakt gekommen. „Wann immer ich Steffen auf ein Sozialprojekt anspreche, zeigt er sich hilfsbereit“, bescheinigt sie ihm eine hohe ­soziale Kompetenz.

Hilfsbereitschaft ohne Medienecho

Steffen Hofmann ist aber keiner, der Gutes tut und darüber spricht. Er hilft lieber im Stillen. „Notleidende Frauen und vor allem Kinder liegen ihm besonders am Herzen“, weiß Sylvia Hofmann. Als 2006 das sozialbetreute Wohnhaus für Frauen in der Bürgerspitalgasse eröffnet wurde, war Steffen dabei. Als es darum ging, Spenden für arme rumänische Kinder zu sammeln, ebenso. „Mir geht es finanziell gut. Andere Menschen hatten nicht so viel Glück“, ist Hilfsbereitschaft für den Vorzeigefußballer eine Selbstverständlichkeit. ­Eine, die ihm neben seinen sportlichen Auszeichnungen bald auch eine „menschliche“ einbringen wird. Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann hat vor, Steffen Hofmann wegen seines sozialen Engagements die „Mariahilfer Ehrennadel“ zu überreichen. Er wird sich still darüber freuen.

Steckbrief Steffen Hofmann – Eine Erfolgsbilanz

Geboren am 9. September 1980 in Würzburg, verheiratet mit Barbara, zwei Töchter (Sophie-Marie, 5 Jahre, Emilie, 2 Jahre). Bisherige Vereine: 1. FC Kirchheim, Würzburger FV, Bayern München, 1860 München, Rapid Wien (2002 bis 2005 und seit 2008). Erfolge: 2 x österreichischer Meister (2005, 2008), 4 x Fußballer des Jahres – von den Lesern der Kronen Zeitung gewählt (2005, 2006, 2008, 2009), 2 x von den heimischen Sportjournalisten zum besten Fußballer Österreichs gewählt (2004, 2009). Torschützenkönig 2010 mit 20 Treffern.

Buchtipp: „Jetzt erst recht!

Er ist wieder hier in seinem Revier“ von Peter Linden, ­erschienen im WISO-Verlag, ISBN: 3-902239-02-0, erhältlich im Buchhandel.

  • Adresse: Mariahilfer Straße 98, 1060 Wien

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *