Ein Olympia-Star mit Föhn & Schere

Ein ganz wenig Hinterhof-­Atmosphäre ist schon dabei. Zwar sympathisch, auch gepflegt, niedlich könnte man sagen – aber nicht gerade dort, wo die Menschenmassen vorbeikommen. Und trotzdem war immer klar, dass Christian Anibas und sein Salon zusammengehören wie der Föhn und die Haarschere.

Seit 55 Jahren am gleichen Standort

Frühjahr 1982. Der Familienbetrieb, den es schon seit 1956 in Ottakring gibt, floriert. Und der junge, 14-jährige Christian hilft in den ­Osterferien bei der Mama aus. "Gnä Frau hier, gnä Frau da, darf’s vielleicht ein Kaffeetscherl sein“ – der junge, fesche Mann erobert die Herzen im Sturm. Dann darf er ­sogar die Haare waschen – und kriegt ungewöhnlich viel Trinkgeld. Die Initialzündung. "In diesem Moment wusste ich: Ja, ich werde ­Friseur!"

Kurze Zeit später begann er "beim Steinmetz Franz in der Alserstraße die Lehre“. Und wurde Mitglied im "Club Marcel": "Im Friseurgeschäft ist das ein Verein wie Rapid oder Austria im Fußball", klärt Christian Anibas auf. "Da lernt man natürlich noch mehr und viele Feinheiten des Gewerbes wie Färben, spezielle Schnitte usw. Wir haben sehr viel trainiert." Und die ersten Erfolge beim Preisschneiden stellten sich auch rasch ein. 1984 wurde Anibas "3er-Staatsmeister" und schaffte den Top-Ten-Platz beim "Goldenen Stephansdom"-Bewerb.

Die Karriere des "jungen Wilden" ging steil bergauf. Einerseits zu Hause in der Enenkelstraße, andererseits als Profi-Schneider in den Salons dieser Welt. Allerdings: "Vom Preisschneiden alleine konnte ich nicht leben. Meine Basis war immer der Heimatsalon, auch zu den besten Wettkampfzeiten." Und dazu zählte natürlich der Olympiasieg 1989 in Birmingham (England): "Ein unvergesslicher Augenblick, die Nummer eins der Welt zu sein", strahlen heute noch die ­Augen von "Meister Christian". Viele weitere Erfolge ("Salzburger Mozartzopf", "Steirischer Panther", "Rose vom Wörthersee", "Silberreiher Burgenland" etc.) sollten folgen. Anibas fungierte in weiterer Folge bei den Olympiaden in Montreal und St. Gallen als Experte und Trainer, war in den 90ern ein international gefragter Mann. "Insgesamt ­habe ich 97 Pokale, die Olympia-Goldene und 15 Auszeichnungen errungen." Die zum Großteil in der Ottakringer Nebenstraße ausgestellt sind. "Ich habe es wirklich nie bereut, ins Friseurgewerbe reingeboren worden zu sein", sagt der Firmenboss, der aus Zeitgründen erst 1991 als Olympiasieger die Meisterprüfung gemacht hat.

Golden waren die 1990er auch für die Enenkelstraße. "­Früher war vieles anders, besser, wir hatten mehr Stammgäs­te", blickt Renate Anibas, die den Salon bis 2007 geführt hat und auch heute noch kräftig mithilft, nicht unkritisch zurück. "Wir hatten zusätzlich viele Events und nach dem Umbau 1994 auch Zusatz­angebote wie Kopfmassage, Dessousvorführungen oder Punschausschenken."

Früher sieben, heute eine Angestellte

Die Zeiten haben sich geändert: "Viele ältere Stammkunden sind weggestorben und es gibt genug Konkurrenz in der Umgebung," so die "Frau Mama". Ihr Sohn bestätigt: "Einst hatten wir sieben Angestellte, heute eine. Mitte der 90er sind die Leute vor unse­rem Salon Schlange gestanden." Aber Christian Anibas, der das Geschäft seit drei ­Jahren alleinverantwortlich führt, will nicht raunzen: "Es läuft nicht schlecht und wir bemühen uns sehr, neue Stammkunden aufzubauen."

Die Zukunft der Dynastie scheint gesichert: Die einzige Tochter aus Anibas’ dreijähriger Ehe ist heute 16 und lernt auch Friseurin. Wie ­Papa und Oma. Damit der Salon in der Familie bleibt.

  • Adresse: Enenkelstr. 32, 1160 Wien

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