Ein sehr holpriges Kulturerbe

Wer die Höhenstraße im Bus oder Auto rauffährt, braucht eine gute Kondition und robuste Bandscheiben. Unzählige Schlaglöcher und das alte Kopfsteinpflaster sorgen dafür, dass man ordentlich durchgeschüttelt wird. Bei Regen sammelt sich Wasser in großen Pfützen und wenn es schneit, wird eine Fahrt auf der Höhenstraße zur gefährlichen Rutschpartie.
Seit Jahresbeginn wird nun über den Denkmalschutz für die desolate Höhenstraße wieder heftig diskutiert. Während das Bundesdenkmalamt das "Verkehrsbauwerk von internationalem Rang“ (so Richard Wittasek vom Denkmalamt) samt Steinen, Brücken, Sechskantpfeilern und Granitpollern erhalten will, fordert die Stadt Wien schon längstens eine Asphaltierung. "Der Denkmalschutz ist ein wichtiges Instrument, um unser Kulturerbe zu bewahren. Es ist aber leider auch so, dass das Bundesdenkmalamt den Denkmalschutzgedanken manchmal auf eine Art und Weise anwendet, die weder sinnvoll noch zeitgemäß ist“, betont Gemeinderat Kurt Stürzenbecher. Ein besonderes Beispiel für fragwürdigen Denkmalschutz ist die Höhenstraße. Die historische Kleinsteinpflasterung bringt nämlich erhebliche Lärmprobleme, erhöhte Rutschgefahr und Feinstaubbelastung durch erhöhten Abrieb.

Schlecht für Umwelt und für Sicherheit

Eine Generalsanierung im Sinne des Denkmalamtes würde satte 30 Millionen Euro kosten. "Sehr viel Steuergeld würde so höchst unvernünftig ausgegeben werden“, gibt Stürzenbecher zu bedenken. Er plädiert dafür, dass man auf einem kleinen Teil der Höhenstraße die Kleinsteinpflasterung aufrechterhält, damit "die interessierte Nachwelt“ dieses "Kulturerbe“ besichtigen kann. Der weitaus größere Teil der Straße sollte aber ganz einfach asphaltiert werden. "In puncto Lärm, Umweltbelastung und Verkehrs­sicherheit wäre das sicher vernünftiger und man würde sich viel Geld sparen“, meint der Gemeinderat. Auch die Granitpoller entlang der Straße sind ein Sicherheitsrisiko. Stürzenbecher ist überzeugt davon, dass die Anrainer der Kleingartensiedlungen "Höhenstraße“, "Waldandacht“ und "Hügelwiese“ dankbar dafür wären, wenn ihre Lebensqualität nicht durch falsch verstandenen Denkmalschutz beeinträchtigt würde. Die Stadt Wien und die Bezirke Hernals und Döbling wollen jedenfalls eine zeitgemäße Adaptierung der Höhenstraße. "Es ist zu hoffen, dass sich im Interesse der Bürger die Vernunft durchsetzt“, so Stürzenbecher abschließend.

Weitere Informationen

Die Wiener Höhenstraße wurde zwischen 1934 und 1938 während des Austrofaschismus unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß als Prestigeprojekt erbaut. Sie beginnt bei der Neuwaldegger Straße nahe der Marswiese (17. Bezirk) und führt über den Dreimarkstein, Hermannskogel, Cobenzl (Latisberg/Reisenberg) und Kahlenberg zur Endstelle am Leopoldsberg (19. Bezirk). Mit 14,9 Kilometern ist sie die längste Straße in ganz Wien

  • Adresse: Höhenstraße, 1170 Wien

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