Ein Stück vom Karpfen ist schon ein Geschenk

Der vierjährige Elias teufelt durch die Wohnung. Seine bald sechsjährige Schwester Ellen zeigt voller Stolz ihre richtig gelösten Rechenaufgaben – zwei ganz „normale“, aufgeweckte Kinder, die aber mit außergewöhnlichen Lebensumständen aufwachsen.

Zur Flucht getrieben

Ihre Eltern, die 29-jährige Xue Bai und der 36-jährige Feng Gao, sind vor sieben Jahren aus der chinesischen Stadt Qingdao geflohen. Ihre Geschichte klingt wie ein Kriminalroman: Xue arbeitet als Krankenschwester im gleichen Krankenhaus wie ihr Mann Feng, ein Chirurg. Die Frau wird vom Krankenhaus-Chef sexuell belästigt. Ihr Mann legt sich daraufhin mit seinem Vorgesetzen an, der wiederum über hervorragende und auch verwandtschaftliche Polizeikontakte verfügt. Ohne Haftbefehl, Anklageerhebung, Gerichtsverfahren, oder auch nur dem kleinsten Beweis, soll Feng ins Gefängnis kommen. „In China fragt niemand nach Beweisen. Wenn die Polizei sagt, du musst ins Gefägnis, dann musst du ins Gefägnis“, erklärt Xue. Das Ehepaar verläßt Familie und Freunde, gut bezahlte Jobs und ein wohl situiertes Leben in China, um in Freiheit leben zu können. Ein Schlepper bringt sie für viel Geld nach Österreich. Sieben Jahre haben die beiden schließlich auf den (abschlägigen) Bescheid ihres Asylverfahrens gewartet. In der Zwischenzeit wurden Ellen und Elias in Wien geboren, sprechen perfekt Deutsch, gehen hier in den Kindergarten. „Wir würden gerne in Wien belieben, die Menschen sind nett, die Stadt ist wunderschön. Und das Verkehrssystem ist sehr gut“, betont Xue. Wenn es wärmer ist, geht das Ehepaar mit den Kindern gerne nach Schönbrunn – „am liebsten seh‘ ich den Panda“, erzählt die kleine Ellen. Heuer wird die Familie Bai, gemeinsam mit etwa 17 anderen Familien, Weihnachten beim Verein „Purple Sheep“ in Meidling verbringen. Eine besonders reiche Bescherung wird es wohl nicht werden. Denn Feng und Xue dürfen hier nicht arbeiten – beim Asylverfahren wurde Feng nicht einmal geglaubt, dass er Chirurg ist.

Gute Tat zu Weihnachten

Und was bedeutet Weihnachten der Familie? „Es soll ein großes, schönes Fest für alle werden, mit denen wir gemeinsam feiern. Und ich wünsche mir vor allem, dass die Kinder glücklich sind“, erklärt die zierliche Krankenschwester. Das wünschen sich auch alle anderen Familien im Freunde.Schützen.Haus. „Bei uns wohnen nur Familien, die schon lange in Österreich leben und gut integriert sind“, hält Karin Klaric, Obfrau des Vereins „Purple Sheep“ fest. „Sie alle haben abgeschlossene Deutschkurse, Einstellungszusagen und österreichische Freunde, dürfen aber nicht arbeiten und werden im rechtsleeren Raum festgehalten. Das ist skandalös.“ Wie kann man den Familien helfen? „Wir freuen uns über Sachspenden. Mithilfe von Geldspenden können wir aber besser auf die Bedürfnisse der Familien eingehen“, erklärt Mitarbeiter Kurosch Allahyari.

Wer also spenden möchte: Erste Bank, Ktnr: 284 389 412 08, BLZ: 20111

Infos im Netz: www.purplesheep.at

Wir finanzieren Essen und Möbel für die Familien ausschließlich durch Spenden. 

"Purple Sheep"-Obfrau Karin Klaric

Spenden und Steuern in Österreich

Des Österreichers Spendenfreudigkeit ist legendär. 2009 wurde das Spendengesetz neu geregelt, um Wohltäter auch steuerlich zu entlasten. Seit drei jahren sind neben Spenden für wissenschaftliche Einrichtungen wie Universitäten und Museen auch solche für „mildtätige“ Organisationen absetzbar. Entwicklungs- und Katastrophenhilfe sind dabei gleichgestellt. Eine entsprechende Liste von Organisationen führt das Finanzministerium. Umweltorganisationen wie Greenpeace oder Global 2000 sowie Tierschutzorganisationen fehlten 2009 noch gänzlich. Amnesty International wurde nach viel Kritik nachträglich (und rückwirkend gültig) hinzugefügt. Seit 2012 sind auch Spenden an Freiwillige Feuerwehren, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, und Tierheime (aber keine Tierschutzorganisationen) absetzbar. Private können Geldspenden bis zur Höhe von 10 % des Gesamtbetrages der Vorjahreseinkünfte absetzen.

  • Adresse: Wien

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