Ein Traditionscafé sagt leise „Servus“

Das Café Ritter wankte, es fiel aber nicht. Das Theatercafé in der Linken Wienzeile hat einen Nachmieter gesucht – und ihn mit dem Gastronomen Leopold Doppler gefunden. Das Traditionscafé „Servus“ in der Mariahilfer Straße 57–59, 75 Jahre lang beliebter Treffpunkt von Jung und Alt, ist bereits Geschichte. Ein Ende, das abzusehen war. Der große Schanigarten wurde im heurigen Frühjahr gar nicht erst aufgestellt.

Lieber Aufgabe als eine Unterwerfung

Vom „Zusperrenmüssen“, wie eine Tageszeitung berichtete, kann keine Rede sein. „Ich musste nicht zusperren, ich wollte mich ganz einfach nicht unterwerfen“, erklärt „Servus“-Chef Peter Knebel seine Beweggründe. Die Perspektive einer drastischen Mieterhöhung und anstehende Umbauten wegen des Nichtraucherschutzes waren ausschlaggebend. „Da geb ich lieber auf“, hat der Gastronom, der 33 Jahre die Geschäfte des seit 75 Jahren bestehenden Familienbetriebs führte, resigniert. „Ich hätte eine Trennwand einbauen müssen, um Raucher und Nichtraucher zu trennen. Das hätte mich 50.000 bis 80.000 Euro gekostet. Darauf kann ich gerne verzichten.“
­Leid tut es dem Chef um seine 28 Mitarbeiter. „Wir waren wie eine große Familie. Im Schnitt waren die Mitarbeiter 17 Jahre bei uns beschäftigt.“ Für einen Gastrobetrieb wahrlich ein echter „Treuebeweis“.
Dem Vernehmen nach soll eine Bekleidungskette in das „Servus“ einziehen. Und der Duft von frischem Kaffee für immer verschwinden.

  • Adresse: Mariahilfer Straße 57–59, 1060 Wien

1 Antwort
  1. Christian Mayer says:

    Die 50.000 bis 80.000 hätte man sich natürlich auch anders sparen können – einfach das komplette Cafe zur Nichtraucherzone erklären.
    Aber mit solchen Vorschlägen diskriminiert man sich in Ö wohl selber. Pfui, sowas auch nur zu denken! Am Besten noch 10 Stockschläge auf die nackten Fußsohlen ob solcher Ideen …

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