Eine dunkle Zeit und ihre Spuren

Zwei Jahre lang wurden die Biografien von 4.359 personenbezogenen Verkehrsflächen beleuchtet.

Gemeinschaftsprojekt

Auch in Mariahilf wurden die Experten fündig. Die Capis­trangasse, die Lehárgassse und der Hubert-Marischka-Park wurden als bedenklich eingestuft. Die SPÖ Mariahilf will, dass die bezirkseigene Kulturkommission Vorschläge für einen zeitgemäßen Umgang mit diesen Verkehrsflächen erarbeitet. Dieses Projekt soll gemeinsam mit dem Bezirksmuseum und den Schulen in Mariahilf umgesetzt werden. Bezirksvor­steherin Renate Kaufmann meint dazu: „Wir möchten auf die Geschichte aufmerksam machen und der Bevölkerung die Hintergründe zu den Namen erläutern.“

Ignoranz und Fanatismus

Die Capistrangasse (vor 1906 Windmühlgasse) ist nach dem katholischen Pre­diger Johannes Capistran (1386–1456) benannt. Sein Antisemitismus war religiös begründet. Er warf den Juden Wucher vor, ließ sie foltern und sogar verbrennen. Capistran wurde von der Kirche heiliggesprochen.
Der Komponist Franz Lehár (1870–1948) ist Namens­geber der Lehárgasse. Er blieb im Zweiten Weltkrieg mit einer Jüdin verheiratet, nutzte aber seine guten Kontakte zur NS-Spitze nicht, um seine Mit­arbeiter vor Verfolgung zu schützen.
Der Park in der Stumpergasse ist nach dem Schauspieler Hubert Marischka (1882–1952) benannt. Er suchte mehrfach um Aufnahme bei der NSDAP an – ob er Mitglied wurde, ist nicht bekannt.

  • Adresse: Capistrangasse, 1060 Wien