Eine Pirsch durch das nächtliche Tierreich

In John Irvings Roman "Laßt die Bären los!“ werden turbulente Szenen bei einem Zooeinbruch geschil­dert. In Schönbrunn ist das heute nicht nötig – der Tiergarten öffnet am Hintereingang in der Maxingstraße 13b ganz ­legal seine Pforten. Der Leiter des Besuchszentrums Hanno Fürnwein kann über eine Erfolgsgeschichte jubeln: "Das Angebot der Nachtführungen wird von den Besuchern mit viel Begeisterung angenommen – auch von Leuten, die den Zoo schon sehr gut kennen.“

"In der Nacht kann man den Zoo von einer unbekannten Seite ent­decken. Das fasziniert viele."
Hanno Fürnwein

Ausgestattet mit einem videokameragroßen Nachtsichtgerät geht’s auf die abgedunkelte Pirsch. Sogleich zum ersten, gemächlich seinen Mitternachtssnack einnehmenden Dickhäuter, der Elefantenkuh Trumbo. Gänzlich unbeeindruckt von der Handvoll sie anstarrender, grünäugiger "Zyklopen“. Klar, wer täglich bis zu 100 Kilo Blätter und Äste verschlingt, braucht auch in der Nacht was zum Futtern.
Nicht weit entfernt schlummert ein zu einem drolligen Päckchen zusammengekauertes Knäuel Humboldt-Pin­guine. Sie sind der genaue ­Gegenpol zu einem Gehege mit einem martialischen Namen: "Wächter der Toten“ wurden die Jaguare einst von den Mayas genannt. Die prachtvollen Großkatzen sind dämmerungs- und nachtaktiv und verstecken sich nicht.
Doch erst als der Blick nach oben wandert, gibt es für Fürnwein "das wahre Highlight“ zu ­sehen: Die Nilflughunde, die einzige Tierart in Schönbrunn, die "man wirklich nur in der Nacht sehen kann“. Geis­terhafte Flatterei. Den Abschluss machen die Waldrappen, die mit ihren langen Schnäbeln majestätisch im Sternenhimmel thronen.

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