Engelwerk-Bund kommt nach Wien

Vom Vatikan als fundamentalistische Bewegung innerhalb der katholischen Kirche gerade noch anerkannt, von ehemaligen Mitgliedern und deren Angehörigen als menschenfeindliche Sekte verteufelt?– das umstrittene Engelwerk hält am kommenden Sonntag (Christkönigsfest) im Don-Bosco-Haus in Hietzing einen sogenannten "Einkehrtag“ ab.

Nicht so harmlos, wie es klingt

Dass die Veranstalter dabei nicht nur bestehende Mitglieder im Auge haben, sondern auch potenzielle Neueinsteiger, liegt auf der Hand. Die "geistliche Leitung“ des "Einkehrtags“ hat Pater Philippus Seeanner über, wenig überraschend das Thema der spirituellen Zusammenkunft: "Die Engel im Heilsplan Gottes“. Klingt harmlos, ist es aber nicht. In seiner ursprünglichen Ausrichtung propagiert der 1949 gegründete Geheimbund, der auf obskure Engel-Offenbarungen einer Tirolerin zurückgeht, eine bizarre Welt voller Himmelswesen (400 an der Zahl), Götzen und Dämonen: Angehörige der Roma und Sinti, Hebammen, Bauersfrauen, "Kinder, die den Pfarrer nicht ansehen können“, und junge Frauen nach einer Fehlgeburt seien demnach vorrangig von fürchterlichen Dämonen befallen.

Dämonen-Hokuspokus

Besonders abgesehen hätten es die 243 namentlich bekannten Satansjünger auch auf "die grauen, gefleckten und schwarzen Katzen, die gefleckten und schwarzen Hennen, die Schweine und die glatthaarigen Hunde, die Schmeißfliegen,  Ratten und Schlangen“, wie aus dem 1987 (durch Indiskretion im Vatikan) bekannt gewordenen "Handbuch des Engelwerkes“ hervorgeht.

So viel Aberglaube und Dämonen-Hokuspokus, der mit den Lehren der katholischen Kirche unvereinbar war, musste den Vatikan irgendwann erzürnen. 1983 verbot die Glaubenskongregation den Gebrauch der Engelnamen und das Schweigeversprechen des Engelwerks. Mit wenig Erfolg: Das "Werk der hl. Engel“ machte munter weiter mit Isolation der Mitglieder, Indoktrination und Angstmache – und gefährdete damit junge Menschen. 1991 wurde, und das ist verbürgt,  eine 26-jährige Frau abgemagert und verängstigt in einem Waldstück entdeckt, nachdem sie eine "Bergwoche“ beim Engelwerk verbracht hatte. 

Eltern-Initiative gegen Engelwerk

Im selben Jahr wurde eine "Initiative engelwerkgeschädigter Eltern“ gegründet, zwei Dutzend Familien aus Österreich und Deutschland sind dabei. Dem Vatikan platzte daraufhin endgültig der Kragen: 1992 schickte der Papst einen Delegaten, also einen Gesandten, nach Tirol, um die vom Vatikan ausgesprochenen Verbote wie die Engelweihe und Fernspendung von Sakramenten zu überwachen.

Doch die Zeiten änderten sich: Nicht zuletzt aufgrund der Kirchenaustrittswellen ging die Amtskirche ab 2000 einen Schritt auf das Engelwerk zu, und vor kurzem wurde bekannt, dass der Vatikan bereits 2008 die erneuerten Statuten des Engelwerks anerkannt hat – solange das Dekret von 1992 weiterhin auf der Burg St. Petersberg, dem Stammsitz des Engelwerks, befolgt werde. Bereits in den 1960er Jahren hat das Engelwerk die mittelalterliche Burg gekauft und adaptiert, 20 Hektar Wald und Wiesen sind ebenfalls im Besitz der Engel-Jünger. 24 Priester und Laienbrüder leben auf der Burg, hinzu kommen 40 Ordensschwestern, die im Tal leben.

Zahlen und Fakten

Weltweit umfasst das "Opus Sanctorum Angelorum“, wie das Engelwerk noch genannt wird, zwölf Klöster mit weiteren Niederlassungen in der Schweiz, in Deutschland, Brasilien und Portugal. Nach kirchlichen Schätzungen sollen rund 100 Priester und 400 Ordensfrauen dem Engelwerk angehören, die Zahl der Anhänger ist allerdings deutlich höher: Bis zu eine Million Menschen, darunter Bischöfe und Kardinäle, sollen mit dem obskuren Gedankengut des Engelwerks sympathisieren. Spiritueller Hintergrund des Engelwerks sind angebliche Offenbarungen der Tirolerin Gabriele Bitterlich (1896–1978), die bereits als Vierjährige ihren Schutzengel gesehen haben soll. Ihre Aufzeichnungen über hunderte Engel und Dämonen wuchsen im Laufe der Jahre auf angeblich 80.000 Manuskriptseiten an, offizielles Anliegen des Engelwerks ist Förderung der "Verehrung der heiligen Engel in der Kirche“.

  • Adresse: Sankt Veit Gasse, 1130 Wien

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