Erster Mink bejagt Donauinsel

Wer mag sie nicht, die kleinen roten Eichhörnchen, die vielerorts anzutreffen sind? Wer eines vor dem Haus hat, sollte sich noch vor Wintereinbruch am Anblick laben. Nächstes Jahr werden wieder viele verhungert sein, weil ihre etwas größeren grauen Artgenossen anspruchsloser und weniger menschenscheu auf Nahrungssuche sind. Das Grauhörnchen ist ein "Neozoon“ und wie die Regenbogenforelle, Signalkrebs, Sonnenbarsch oder die Rote Feuerameise dezimieren die eingeschleppten Arten die tierischen Ureinwohner Wiens – oder rotten sie sogar aus.
Kein Wunder, dass der nun von Tierbeobachtern am Toten Grund (Donauinsel) entdeckte amerikanische Nerz, auch Mink genannt, trotz seiner Drolligkeit bei Zoologen nicht für Freude sorgt. Der zur Familie der Marder zählende Nordamerikaner kommt in der Dämmerung aus den selbstgegrabenen, drei Meter langen Bauen und stürzt sich schwimmend und tauchend auf kleine Säuger, Krebse, Frösche, Wasservögel und Fische. Er tötet auch ohne Hunger und hinterlässt zahlreiche totgebissene Kadaver. Einmal im Jahr bringt das Weibchen nach einer rund 40- bis 80-tägigen Tragzeit zwei bis zehn (durchschnittlich fünf) Jungtiere zur Welt. Wo er auftaucht, sind Fischer und Förster ebenso verzweifelt wie ratlos. Ihn durch Bejagen zu vertreiben ist aussichtslos. "Der Mink ist ein mehrfaches Problem. Er beißt Fische tot und lässt Kadaver liegen, was andere Räuber anlockt. Weil er ganzjährig aktiv ist, stört er dadurch auch die Karpfen in ihrer sensiblen Winterruhe, was für diese tödlich enden kann“, bestätigen leidgeprüfte Fischzücher aus dem Wiener Umland.

Nachtaktiv und ohne Winterschlaf

So aussichtslos ein Ver­treiben ist, so ironisch ist der Ursprung des Jägers, der hier keine Fressfeinde kennt: Im Zuge der Anti-Pelz-Bewegung wurden ab Ende der 1980er Jahre immer wieder Tiere „befreit“. Die „Tierfreunde“ haben somit ganze Öko-Systeme in Niederösterreich auf dem Gewissen – und künftig wohl auch die Brut von Wiener Vögeln. So bleibt als Trost nur der Anblick des schwarzen Flinklings, der uns mit Sicherheit länger erhalten bleiben wird als der des roten Eichhörnchens.

  • Adresse: Donauinsel, 1220 Wien

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