Februar-Termine von Ottakrings Frank Sinatra

Oiso i bin da Kurtl, da Oide.“ Im schicken Anzug mit weißem Hemd, Stecktuch und genagelten Schuhen („Die san älter als du, des kannst ma glauben!“) ­erscheint Kurt Girk im Bockkeller. Es dauert nur Minuten, bis eins klar ist: „Die Haute­volee (des Wienerlieds), i hob s’
no ’kennt.“ Ob Schmid Hansl, Moser, Hodina („ein Jugendfreund, der hat eh Hamweh nach Ottakring“) oder Mally – die Namen reißen nicht ab. Immer wieder deutet Girk auf meinen Notizblock und sagt: „Den musst a reinnehmen.“ Ganz werde ich das leider nicht schaffen, Kurtl.

Jedenfalls: „In Ottakring, da musst singen können“, sagt Girk. „Aus jedem Fenster hast es früher g’hört.“ Girk selbst ist in der Speckbachergasse ­geboren, wohnt heute mit ­seinem „Schutzengerl“ Ricky („Verheirat’ samma ned, wir san jo ned deppat!“) im Sandleitenhof. Die Schrammeln, Hodina, Chmela, Nagl, Mally – alles Ottakringer. Kein Zufall. Der Bezirk ist die Wiege, das Mekka des Wienerlieds. Oder die „Oase“, wie Girk ergänzt.
Als alter Vorort war Neulerchenfeld die Hochburg der Wiener Volkssänger. Und mit dem Bockkeller als Veranstaltungsort ist er es auch geblieben. Das Wienerlied wird nie aussterben, ist Girk überzeugt. Die Sänger schon, aber nicht das Lied. „Des is so lebendig wia no nie!“ Die Jungen kennt Girk auch. Bratfisch? „Die san guat! Weitermachen hob i zu eana g’sogt.“ Ein gemeinsamer Auftritt im Bockkeller ist jedenfalls angedacht.

Wienerlied immer traurig? Blödsinn!

16er Buam („hervorragende Musiker!“), Bratfisch, ­Molden – das Wienerlied erfindet sich immer wieder neu. Oder sagen wir besser: interpretiert sich immer wieder neu. Girk meint: „Es gibt ja alles schon. Die Lieder, die ma singt, san meist 100 Joar oid. I könnt ja viel mehr komponieren, aber zum Stehlen bin i z’deppat. Meine Lieder – es san ned viele – gibt’s aber nur amoi.“ Dass das Wienerlied ein trauriges sei, wie gerne behauptet wird, schmettert der Natursänger mit einem vehementen „Blödsinn“ ab. Und es muss auch nicht immer der Heurige oder der Wirt sein, auch wenn „im Heurigen früher jeder Zweite hat singen können.“ Vor kur­zem ist Schrott-Girk (er hat einst mit Eisenwaren gehandelt – „aber des brauchst ned schreiben“) am Brunnenmarkt aufgetreten. Und dann natürlich immer wieder, und immer wieder gerne, im Bockkeller.

Viele wollen auch selber singen

„Mei Mutter und mei Vater ­hobn hier scho getanzt, des kannst schreiben“, erzählt Girk. „Aber es war kein Tanzlokal“, ergänzt Susanne Schedtler. Die Hamburgerin ist Geschäftsführerin des Wiener Volksliedwerks. Seit 1993 ist man in der Gallitzinstraße. 25.000 dokumentierte Lieder und etliche tausend Instrumentalstücke sind hier – wo noch Platz ist für internatio­nale Volksmusik – gesammelt. „Hin und wieder sortieren wir ein paar Originale aus“ – die kann man dann kaufen. Infos dazu jeden Mittwoch, dem ­Archivtag, von 13 bis 16 Uhr.
Ab September wieder: das offene Singen, das „völlig überlaufen“ ist, wie Schedtler erzählt. „Viele wollen halt auch selber singen.“ Eben wie Girk gesagt hat: „In Ottakring, da musst singen können.“

CD-Tipp: „Klingt Kurt!“ um 14,50 Euro im Wiener Volksliedwerk, Gallitzinstraße 1, www.wvlw.at

Februar-Termine:

„Evergreens“ vom Duo Girk – Koschelu am 1.2. um 19.30 Uhr im Cafe Max, Mariengasse 1, 1170 Wien

Im „Zum G'spritzten“ am 4.2. um 19.30 Uhr  (16., Heigerleinstraße 1, Tischreservierung unter Tel.: 97 13 428)

In der Bonbonnierbar am 10.2. um 19.30 Uhr (1010 Wien, Spiegelgasse 15), Tel.: 512 68 86

  • Adresse: Herbstraße 37, 1160 Wien

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