Gärtnern, um Sinn zu stiften

Was Grün bewirken kann, wenn es fehlt, zeigen aktuelle Untersuchungen und Forschungsprojekte, die – zeitgeistig – zu ergründen versuchen, welche Auswirkungen ein Mangel an Natur auf die Seele des Menschen hat: Der Mangel an Bäumen und Blumen führt nachweislich zur Deprivation. Bemerkenswert ist ein (vergleichsweise peripheres) Projekt vom Bezirk, der Initia­tive "Kunst im ­öffentlichen Raum“ (KÖR) und von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig in der Meidlinger Wolfganggasse.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut"

Dort stehen Blumen, die zwischen englisch-boboeskem "Guerilla Gardening“ und österreichischer Vergangenheitsbewältigung blühen. "Die Krankengeschichte meiner Uroma, einer von 70.000 psychisch Erkrankten im Dritten Reich, wurde 1939 auf der Baumgartner Höhe aufgenommen und weitergeleitet. Sogenannte Gutachter haben ein Urteil gefällt. Ihr offizielles Todesdatum ist der 15. 8. 1940. Sie ist auf dem Südwestfriedhof begraben“, erzählt Rosa Haag, die einen Rosengarten zu Ehren des Gedenkens an ihre Urgroßmutter angelegt hat. In den Presseunterlagen der KÖR wird Saint-Exupérys "Kleiner Prinz“ zitiert: "Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Mit selbigem blickt auch Hans Wörtl auf unsere Welt: Unkräuter, Zwiebeln, Gemüse, Gewürzpflanzen, Austernpilze und Champignons, Nesseln, Bohnen, Erdäpfel, Erbsen, Mais und Königskerzen sind die Bepflanzungen seines Projekts "treibhauto“. Aus dem von Autofahrern mit Schattenparken und Klima­anlagen bekämpften Mikroklima eines Fahrzeuginneren soll ein Gewächshaus werden, das das Auto von innen heraus überwuchert und es sich letztlich mit Pilzen und Pionierpflanzen, mit Sträuchern, Kräutern und Nutzpflanzen völlig einverleibt.

  • Adresse: Wolfganggasse, 1120 Wien

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