Gerechtigkeit ist kein leichtes Geschäft

Mit der Wahrheit ist das so eine Sache – täglich mit dieser Sache konfrontiert ist Richter Wolfgang Prokisch, der am Bezirkgericht für den 16. und 17. Bezirk seines Amtes waltet. Bei unserem Lokalaugenschein tut er das in einer Zivilrechtsangelegen­heit. Der Fall ist durchaus brisant. Der Kläger behauptet, sein geparktes Auto sei im Zuge eines Fenstertausches beschädigt worden. Also werden erst einmal Zeugen befragt. Da wäre etwa der Fenstermonteur, der sich keiner Schuld bewusst ist. „I hob scho tausend Fenster außeg’rissen, i waas scho, wia i wos außeziag“, betont der Zeuge.
Wenn der Herr Rat ­diese Aussage für das Protokoll diktiert, klingt das in etwa so: „lch habe schon viel Erfahrung mit der Montage von Fenstern und kann mich an keine besonderen Vorkommnisse erinnern – ich habe ein reines Gewissen.“ Ein Richter braucht aber nicht nur ein Gespür für Formulierungen, sondern sollte auch ökonomisch denken. Nachdem weder die Zeugen noch der Kläger, der sehr schlecht Deutsch spricht, Licht in die Sache bringen, schlägt der Anwalt vor, ein Gutachten einzuholen. „Und wer soll das zahlen?“, fragt daraufhin der Herr Rat. „Mein Mandant hat eine Rechtsschutzversicherung“. „Na da bin ich gleich ganz entspannt“, so der Richter. Dann bestellt er einen Gutachter, einen Dolmetscher – und vertagt.

Klassiker und Neuerscheinung

Teil 1 der CD-Reihe „Das heitere Bezirksgericht“ (Preiser Records, € 18,-) und das neu erschienene Buch „Im Namen der Republik. Richter und Staatsanwälte erzählen“ (Molden Verlag, € 16,95,-):
Wir verlosen je 3 Stück.
E-Mail (KW Gericht) an gewinn@wienerbezirksblatt.at

  • Adresse: Kalvarienberggasse 31, 1160 Wien

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