gesicherte momentaufnahmen im wandel.

COLLAGEN & ARBEITSBLÄTTER von Beate Krempe und Walter Csuvala
Kulturhauptstadt Ruhrgebiet und [Arbeiter]Bezirk Ottakring – ein Dialog
www.galeriestudio38.at/SCHICHTWECHSEL
Vernissage zum „Schichtwechsel“,
am Sonntag, 5. Dezember 2010, ab 11 Uhr
Programm 5. Dezember:
Eröffnung durch Hartmut Krausser, Gesandter der Deutschen Botschaft in Wien
und dem Ottakringer Bezirksvorsteher Franz Prokop

Georg Stampfl: Mandoline /Anna Karnthaler, Karin Futschek: Zither und Gesang
Maggy Stampfl, Cornelia Mayer: Zither
Schülerinnen und Schüler der Musik- und Singschulen Wien
Cornelia Mayer, Zithervirtuosin und Lehrerin an der Musikschule Ottakring

Robert Eder, Sprechgesänge
Texte zur Arbeit

Beate Krempe (Willich, Deutschland): Collagen
Walter Csuvala (Wien-Ottakring): Arbeitsblätter und Kalenderpräsentation
www.beate-krempe.de
www.galeriestudio38.at/eder
www.zitherinthecity.com

freie Musik-Spende
Ausstellung bis bis Ende Jänner 2011
Kulturhauptstadt Ruhrgebiet und der 16. Bezirk im künstlerischen Dialog

Anhand zweier künstlerischer Positionen wird das ausklingende Kulturhauptstadtjahr Ruhrgebiet 2010 in Beziehung gesetzt zum Wiener Bezirk Ottakring, werden Verbindungs- aber auch Trennlinien abgesteckt.

Initiiert wurde diese Ausstellung vom Verein ::kunst.projekte:: innerhalb einer seit 2009 bestehenden losen Veranstaltungsreihe unter dem Übertitel „Kunst ist Arbeit! Arbeit ist Kunst!“, die den Bogen zum 100jährigen Jahrestag der Teuerungsunruhen des 17. September 1911 in Ottakring 2011 spannen soll.

Dazu gibt es am 5. Dezember ein musikalisches und literarisches Rahmenprogramm mit der bekannten Zithervirtuosin Cornelia Mayer und einigen ihrer Schülerinnen und Schüler sowie mit dem Literaten Robert Eder. Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung sind geplant.

Die Idee zur gemeinsamen Ausstellung von Beate Krempe und Walter Csuvala entstand bereits im Februar bei der Benefiz-Kunst-Auktion ART-4-A-GOOD-CAUSE in der Brunnenpassage, wo die beiden Künstler einander erstmals begegnet sind. Die spontane Sympathie und Wertschätzung drückte sich darin aus, dass Csuvala eine Collage von Krempe mit nach Hause genommen hat und Krempe eine von seinen Arbeiten.

Strukturwandel, Schichtwechsel, Abriss – diese Themen haben Beate Krempe (Willich, D) bei den Gedanken an die Kulturhauptstadt Europa 2010 ‚Essen für das Ruhrgebiet‘ bewegt. Der vielschichtige Wandel von Europas legendärer Kohle- und Stahlregion zu einer polyzentrischen Kulturmetropole neuen Typs inspirierte sie, den Veränderungen auf die Spur zu gehen.
Als 2006 ein großes Areal von ehemaligen Bedienstetenhäusern der JVA (der Justizvollzugsanstalt), die eigentlich unter Denkmalschutz gestellt worden waren in ihrem Heimatort brutal abgerissen wurden, griff sie zur Kamera.
Mit diesen erschütternden Fotos von Zerstörung und Abriss von Lebensräumen und gesammelten Collagenelementen hat sie Lebenssituationen konstruiert, die vielleicht einmal dort stattgefunden haben, baumelnde Kinderbeine, aufgehängte Wäsche, geschriebene Worte, einen Kinderreim…
Es entstanden sich überschneidende Welten, von Schutt und Asche, zusammengeführt mit einem fiktiven Alltag. „Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die hier einmal gelebt haben…Tränen stehen auch heute noch in ihren Augen…die Zeit hat noch lange nicht alle Wunden geheilt!“, fügt Krempe als persönliches Statement hinzu.

Die verschiedenen Szenen hat sie in einzelne „Hüllen verpackt“, um sie zu schützen und zu bewahren. Diese sind wiederum auf alten Stücken von Holzpaletten montiert – als „gesicherte Momentaufnahmen“ auf „wackeligem Boden“.

Demgegenüber stehen die „Arbeitsblätter“ von Walter Csuvala als persönliche Momentaufnahmen aus der Unmittelbarkeit seines künstlerisch-kreativen Schaffens, festgehalten auf Papier. Spiralisierte Skizzenblöcke/Logbücher mit täglichen Zeichnungen und digitalen Fotografiken und Texten verweisen assoziativ auf die Auseinandersetzung mit Gedanken, Gefühlen, Reflexionen im Umfeld seines Wohnbezirkes Ottakring. In diesem hat sich ebenfalls ein Wandel vollzogen – vom Zentrum der Arbeiterbewegung Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts mit vielen kleinen Handwerks- und einigen größeren Industriebetrieben – hin zu einem Wohnbezirk, wo Migration, Multikulturalität, zahlreiche Kunst- und Kulturinitiativen und eine zunehmende Gentrifizierung rund um den Brunnenmarkt das Bild im 21. Jahrhundert bestimmen.

Aus seinen „Arbeitsblättern“ kreierte Walter Csuvala bisher Jahr für Jahr Kunst-Kalender für seine Freunde. Ein „Chaotisches Kalendarium 2011“ wird im Rahmen dieser Ausstellung nun erstmals über diesen engen Kreis hinaus einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der langen Tradition von Zither und Mandoline als Instrumente der Arbeiterbewegung, speziell in Neulerchenfeld, wird mit einem Konzert von Cornelia Mayer und einigen ihrer Schülerinnen und Schüler Rechnung getragen.

Beate Krempe wurde 1965 in Verden/Aller bei Bremen geboren. Nach einem Studium der Kunst und des Designs in Hannover ist sie seit 1989 freie Künstlerin, zunächst in Düsseldorf, seit 2000 im eigenen Atelier in Willich. Bevorzugt gestaltet sie Collagen, die überwiegend in gedeckten Farben gehalten sind. Sie komponiert die Bildelemente so, dass sie zu eindeutigen Hinweisen und Symbolen für die jeweilige Geschichte werden. Der Schaffensprozess ist Erzähl- und Erlebnis-Prozess in einem. Beate Krempe kann auf zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, national und international verweisen, zuletzt auch in Wien (Beteiligung bei ART-4-A-GOOD-CAUSE und Einzelausstellung „Jeder Tag ist Leben“). Als Organisatorin von Kunstprojekten und Kunstevents wirkte sie u.a. 2010 am ganzjährigen Programm „1000 Jahre Anrath“ mit.

Walter Csuvala wurde 1943 in Wien geboren. Nach dem Diplom für Malerei an der Akademie für Bildende Künste in Wien ist er freiberuflicher Maler, Grafiker, Kursleiter für Kreativität und Malerei, Kommunikationstrainer und Berater. 2009 Beteiligung am Projekt menschen, menschen, san ma alle. eine assoziative folge von bildern, worten, zitaten + mehr, 2009 und 2010 ART-4-A-GOOD-CAUSE und TAGEBUCHTAG 2010, in 1020, 1160 und 1170 Wien). Walter Csuvala lebt und arbeitet in Wien-Ottakring.

Robert Eder
geboren 1964 in Wien. 1987 erste künstlerische Ambitionen.
Seit 1999 freischaffender Literat und Maler.
Ausstellungstätigkeit seit 2002, ab 2007 Einzelausstellungen und Lesungen auch im Rahmen von ::kunst.projekte::
Gemeinsam mit Robert Anders: „Das Literarische Duett“
Veröffentlichungen im subventionierten Eigenverlag, in Literaturzeitschriften und Anthologien. Konzepte und Performances für den öffentlichen Raum. Mitwirkung bei Kulturinitiativen in Wien und im Weinviertel.

Cornelia Mayer
geboren in Mürzzuschlag/Stmk, Studium für Zither und Fagott an den Musikhochschulen
Graz und Wien und am Konservatorium Wien. Auftritte als Solistin unter anderem beim Neujahrskonzert der Nürnberger Symphoniker, im Royal College of Arts in London, beim Graham Greene Festival in Berkhamsted und im Bockkeller des Wiener Volksliedwerkes.
Sie ist Herausgeberin und Autorin mehrerer Unterrichtswerke für Zither und des Musikwerkes über den k&k Kammerzitherspieler Hans Lanner, Mitglied des Ensemble Monopol, Leiterin der Vienna Zither Company und Lehrerin an der Musik-und Singschule Wien-Ottakring. CD-Einspielungen bei Extraplatte und EMI. Speziell bekannt ist Cornelia Mayer durch „Karasitäten“ – Programm mit Zithermusik von Anton Karas („Der dritte Mann“), gemeinsam mit Manfred Hochmeister.

  • Adresse: Payergasse 14, 1160 Wien

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