Gesundheitskasse mit Service und Kontrolle

WBB:
Die WGKK bietet kostenlose Vorsorgeuntersuchungen an. Kommen da mehr Frauen als Männer?

Reischl:
Ja. Im Vorjahr wurden in Wien insgesamt 186.620 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt – darunter waren 77.025 Männer und 109.595 Frauen. Frauen nehmen neben dem allgemeinen Untersuchungsprogramm zudem auch an der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung teil. Insgesamt kann man sagen, dass unsere Einladekam­pagnen immer besser angenommen werden. Im heurigen Herbst legen wir dabei den Schwerpunkt auf die Krebsprävention.

Das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist in Wien am größ­ten. Haben Wiener eine schwächere Konstitution als – sagen wir einmal – Tiro­ler?

So einfach kann man das nicht sagen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eng mit dem Lebensstil verknüpft, unabhängig davon, wo jemand lebt. Risikofaktoren sind unter anderem zu wenig Bewegung, Übergewicht, Diabetes, psychosoziale Belastung und Rauchen. In Ballungszentren, wo viele Menschen leben, häufen sich tendenziell diese Risikofaktoren – damit erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit von Herzerkrankungen.

Wie kann man die Rate der preiswerten, doch gleich wirk­samen Generika erhöhen?

Die WGKK ist beim Einsatz von Generika auf sehr gutem Weg. Aktuell macht der Anteil bei den Verordnungen bereits rund 50 Prozent aus – bezogen auf jene Präparate, bei denen es Generika als echte Alternative gibt. Die WGKK liegt damit innerhalb der Gebietskrankenkassen im Spitzenfeld. Es gibt aber noch einen gewissen ­Spielraum nach oben. Es wird vor allem darum gehen, die Vertragspartner, aber auch die Versicherten noch stärker zu informieren, um etwaige Vorurteile abzubauen.

Manche Menschen meinen, die WGKK benötige zu viele administrative Mitarbeiter. Wie sieht die Kostenstruktur tatsächlich aus? Und gibt es genug Kontrollore?

Es ist leider ein sehr hartnäckiges Vorurteil, dass die WGKK eine so teure Verwaltung hat. In Wahrheit macht der Anteil der Verwaltungskosten gerade einmal 2,2 Prozent gemessen am Gesamtaufwand aus. Richtig ist, dass sich die WGKK nun schon seit Jahren verstärkt auch der Bekämpfung der Schwarzarbeit und des Sozialbetrugs widmet. So überprüfen cirka 20 Kontrollore gezielt Betriebe, ob die Arbeitnehmer zur Sozialversicherung gemeldet sind und ob die Beiträge bezahlt werden. Im Vorjahr wurden gut elf Millionen Euro an Beiträgen nachverrechnet. In diesem Zusammenhang würde ich dafür plädieren, dass die Kontrollore aus dem Verwaltungsaufwand herausgerechnet werden können.

Entscheidet die Krankenkasse, welcher Arzt einen Vertrag mit ihr bekommt?

Die WGKK entscheidet gemeinsam mit der Ärztekammer nur, ob eine Stelle ausgeschrieben wird – nicht wer diese erhält. Die Auswahl der Kandidaten unterliegt einem objektiven Auswahlverfahren. Und das ist auch gut so. Eine Änderung dieses Modus halte ich für nicht notwendig.

Wie soll die WGKK in zehn Jahren positioniert sein?

Als Gesundheitskasse und modernes Dienstleistungsunternehmen, zu dem die Versicherten gerne kommen. Die eigenen Einrichtungen werden dann hoffentlich noch stärker als Kompetenzcenter wahrgenommen.

Info: Gesundheitssystem Österreich-OECD – Hohe Gesundheitsausgaben und viele Spitalsbetten

Die heimischen Gesundheitsausgaben sind höher als im Durchschnitt der Industriestaaten, aber dafür braucht auch niemand Angst zu haben, im Krankheitsfall kein ­Spitalsbett zu bekommen. Österreicher gehen im Jahr durchschnittlich fast sieben Mal zum Arzt und geben für Medikamente etwas mehr und für Prävention weniger aus als der OECD-Schnitt.

(Interview: Gerd Millmann)

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