GLANZLICHTER mit Karlheinz Hackl & Heinz Marecek

Gestern abends waren mein Freund und ich im Kabarett „Schutzhaus zur Zukunft“.
Das Glück schien uns hold. Wir fanden ganz nah vom „Ereignishaus“ einen Parkplatz, was ja bei dem Riesenangebot an Schneehaufen sowieso schon ein Traum war. Stolz es einmal geschafft zu haben mehr als rechtzeitig, das heißt eine dreiviertel Stunde vor Beginn, beim Lokal zu sein, erblassten wir ein wenig, denn statt auf den Einlass noch warten zu müssen, wie wir ursprünglich dachten, war der Saal bereits fast randvoll gefüllt. Schluck – wir ließen die Blicke schweifen und während dieser Tätigkeit hätten wir beinahe die beiden freien Plätze vorne bei der Bühne übersehen. Ich dachte, die sind mit Sicherheit bereits reserviert.
Rudolf, oben bereits erwähnter Freund, meinte zu mir: “Frag halt ob frei ist.“ Wieso denn iiiiiich? Schüchtern kannte ich ihn noch gar nicht, aber er war an diesem Abend sehr tapfer und fragte – die Plätze waren tatsächlich noch frei. Wie gesagt das Glück war uns anfangs wirklich gut gesinnt.
Sehr zufrieden ließen wir uns nieder, schenkten dem netten Gegenüber-Pärchen ein dankbares Lächeln und vertieften uns in die Speisekarte. Es war jetzt 19:10 und um 20 Uhr begann die Vorstellung. Schnell hatten wir gewählt. Der Hunger war mehr als vorhanden, was das Knurren meines Magens bestätigte. Kein Kellner weit und breit, der für unseren Tisch zuständig war. Ich sprach eine vorbeiflitzende Kellnerin an, diese meinte sie sei nicht zuständig. Das kennt man ja zur Genüge. Ich glaube, mein ganzes Leben sitze ich am falschen Tisch. Nämlich an dem, wo der Kellner NICHT zuständig ist. Ich starre Richtung Saaleingang und erspähe ihn klopfenden Herzens, fröhlichen Muts und knurrenden Magens. Konzentriert verfolge ich ihn. Er nähert sich, ich winke ihm zu, flugs ist er wieder ab Richtung Küche. Meine Chance hatte ich, denn er war nur mehr fünf Personen weit weg, beim Aufnehmen der Speisen und Getränke. Er kommt wieder, Die Regungen meines Körpers, siehe einige Zeilen vorher. Fehlalarm, diesmal hatten uns jedoch nur mehr zwei Personen getrennt. Beim nächsten Mal gab mir mein rechnerischer Verstand ein, ist es so weit. Inzwischen ist es 19:25. Er kommt und – er steht vor mir um meine Wünsche auf seinen Block zu kritzeln. „Ein Mal Fleischknödeln und ein Mal Bauernschmaus.“ Fleischknödeln sind aus und ich total flexibel: „Dann nehme ich das Schnitzel.“ „Zum Essen kann ich jetzt nichts mehr aufnehmen, das schafft die Küche nicht mehr vor der Vorstellung.“ Mein Gesicht verdunkelt sich, vielleicht sieht man’s nicht, aber es braut sich so mehr innerlich was zusammen. Der Mensch wird mir unsympathisch. Ich: „Wir warten aber bereits seit 19:10 auf sie.“ Ich achte auf exakte Zeitangabe und erwarte mir eine Entschuldigung und zumindest ein „Ich wird’s versuchen“. Und was kommt? „Also was wollen sie trinken?“ Rudolf bestellt einen Zitronen -Tee. Ich bin gleich zweimal verblüfft. Kein Bier, kein Wein und er bleibt sogar ruhig, wenn wir nichts zu Essen bekommen, nur weil der „Unnedler (Wienerausdruck für unnötigen Menschen) nicht rechtzeitig bei uns die Bestellung aufnehmen konnte. Habens mir den Rudi vorhin beim Eingang ausgewechselt. Er der immer gleich ausflippt, wenn was nicht passt wie er es sich vorstellt. Ich weiß nicht, soll ich mich über seine neue Sanftmut freuen oder fühl ich mich im Zorn allein gelassen. Entscheide mich für letzteres und bestelle innerlich tobend, auch einen Zitronen – Tee. Besser ein Tee im knurrenden Magen, als gar nichts.
Inzwischen nimmt eine Kellnerin die den Nebentisch betreut eine neue Bestellung auf. Dazu sei gesagt, im Saal wurden die Tische zu langen Reihen hintereinander zusammengestellt und die Bedienung war an einem dieser Tische tätig.
Ich beäugle eben diese andere Seite. Die bestellende Dame zeigt auf Speisen in der Karte, auch der Tischnachbar bestellt Essen. Freundlich bedankt sich die Bedienung für die Bestellung. Husch da hab ich sie schnell am Arm. „Entschuldigung, aber kann man noch Essen bestellen?“ Sie:“ Ich bin für sie nicht zuständig.“ Ich: „Ich weiß, nur sie haben noch Essensbestellungen entgegengenommen und unser Ober, ihr Kollege nicht mehr.“ Sie: „ Ja, ab 19:30 wird nichts mehr aufgenommen.“ Ich: „aber Sie haben doch auch noch….“ Ja, die beiden Essen gehen schon noch“. Ich entlasse die Arme aus meinem Gespräch und hungere vor mich hin.
Jetzt wende ich mich Rudi zu. „Dem „Unnedler“ gibst keinen Cent Trinkgeld.“ Rudi: “No glaubst ich bin verrückt? Natürlich gibt’s nichts. Mir schwellen sowieso – so die Adern.“ Er deutet das Schwellen der Adern an. Ich hab Hunger, er die geschwollenen Adern und? Er macht den Kellner nicht zur Schnecke, er wirft ihm keine brutalen Schimpfwörter an den Kopf?! Seine Freundin hungert. Wo ist der tapfere Mann der den Drachen tötet? Gut er muss ihn ja nicht gleich töten, weil er ist ja auch kein Drache, aber zumindest bissl attackieren.
Inzwischen bringt der Ober das Bestellte und ich mache noch einen letzten Versuch.
„Sagen sie, wäre es möglich, dass ich wenigstens ein Paar Würstl bekomme?“ Er: „Es gibt nichts mehr.“ Will sich abwenden. Er braucht gar nicht davon flitzen, wenn’s in der Küche eh nichts mehr machen. Ich, gebremst erregt:“ Ihre Kollegin hat soeben noch eine Bestellung aufgenommen und bei ihnen geht das nicht?!“ Und was macht dieser Unverschämte? Er wagt es mich ohne eine Antwort zu verlassen. Er hat mich einfach ignoriert.
Das nette Paar von Visavis hat das ganze Szenario mitbekommen und der Herr hat eine blendende Idee. Er meint:“ Bestellens was vom Pizza-Service.“
Ich lache schallend und stell mir gerade vor. wie mitten in der Vorstellung der Mann mit der Pizza durchs Lokal ruft:“ Pizza-Service wer hat was bestellt?“
Ich amüsiere mich noch über die brillante Idee, als die Vorstellung beginnt.

Das Kabarett mit den Herren Hackl und Marecek war mir eine volle Entschädigung. Ein fantastisch eingespieltes Team mit hervorragendem schauspielerischem Können und einer Textmerkfähigkeit, bei dem das Publikum nur so staunte.
Drei Stunden gelacht. Kein Geblödel, sondern wirklich Kabarettkunst vom feinsten.
Meine BRAVO-Rufe fanden kein Ende.

PS: In der Pause bekam ich mein Schnitzel. Hätte der „Plermpl“ (soviel wie Unnedler), mir das nicht wenigstens schon vorher sagen können?
Aber Trinkgeld bekam er wirklich keines!

  • Adresse: Hauslabgasse 6-10, 1050 Wien

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