Harald Pesata liest: “Die Große Häfenelegie” von Herwig Seeböck

Samstag, 13. Oktober 2012
Beginn: 20:00 Uhr
Café Industrie
Margaretengürtel 120
1050 Wien

„Die Große Häfenelegie“

Erlebt von Herwig Seeböck – Szenisch gelesen von Harald Pesata

Man darf heute nicht mehr voraussetzen, dass noch viele Menschen das autobiografische Paradestück Herwig Seeböcks, „Die Große Häfenelegie“, kennen – dazu ist diese Geschichte schon zu lange her. Doch wäre es schade, würde sie nach dem Tode Herwig Seeböcks, er starb am 28. Februar 2011 im Alter von 71 Jahren, in Vergessenheit geraten!

Wie das griechische Wort Elegie und der Wiener Dialektausdruck Häfen für Gefängnis, schon ausdrücken, ist diese Geschichte ein Klagelied über das Gefängnisleben. Bei dem Stück, das der Burgschauspieler und Regisseur Herwig Seeböck selbst an die 3000 Mal aufführte und eindrucksvoll auf humorvolle Art und Weise die verschiedenen Charaktere der Häftlinge und der Aufseher wiedergab, handelt es sich um eine authentische Aufzeichnung seiner eigenen Erfahrungen mit der österreichischen Justiz.

Im Jahre 1964 hatte Herwig Seeböck 4 Monate Kerker in der niederösterreichischen Haftanstalt Schwarzau abzusitzen. Ein wahrlich schweres Verbrechen war der Anlass: § 81 nach dem österreichischen Strafgesetzbuch – Öffentliche Gewalttätigkeit! Seeböck war mit seinem Schauspielerkollegen Friedrich R. von einer Zechtour auf dem Heimweg, als sie beschlossen noch die beiden Küchenmädchen des Lokales, im 1. Stock des Hauses Cobenzlgasse Nr. 7 zu besuchen. Die Wirtin des Lokales hielt die beiden Kavaliere für Einbrecher und rief die Polizei. Was sich danach ereignete, hörte sich, je nach Zeugenaussage, sehr unterschiedlich an. Laut der Aussage des Rayonsinspektors Wanderer hatte sich Seeböck der Verhaftung dadurch widersetzt, in dem er eine Boxerstellung eingenommen hatte. Seeböck allerdings sah diese Handlung als Selbstverteidigung gegenüber den Schlägen des Wachorgans. Das Gericht glaubte dem Polizisten und verurteilte Herwig Seeböck zu „4 Monaten schweren Kerker, verschärft durch ein hartes Lager und einen Fasttag“.

Von diesen „vier lehreichen Monaten“ berichtet „Die große Häfenelegie“, wobei ich mir nicht so sicher bin, ob nicht Seeböck mehr über seine Gefängnisbekanntschaften klagte, als über das Gefängnisleben selbst.

  • Adresse: Margaretengürtel 120, 1050 Wien

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