Im Zeichen der Winter-Frische

Ein typischer Winternachmittag in Wien: Bereits um 16 Uhr ist es finster, es regnet leicht und ein eisiger Wind fegt durch die Straßen. Wer nicht unbedingt vor die Tür muss, bleibt daheim. Während sich im Sommer auf Wiens Märkten die Massen tummeln, sieht das in der kalten Jahreszeit ganz anders aus. Bei unserem Lokalaugenschein auf dem Kutschkermarkt im 18. Bezirk sind nur wenige Kunden unterwegs. Einkäufe werden schnell erledigt, den sonst üblichen Schmäh spart man sich diesmal. Viele Waren werden durch große Planen vor dem Regen geschützt. Einige Standln haben gar nicht erst aufgesperrt. Irene Pöhl nimmt das Wetter gelassen: "Egal ob Sonne, Regen, Wind oder Schnee – an meinem Beruf liebe ich es am meisten, an der frischen Luft arbeiten zu dürfen. Das ist wie beim Wandern: Man braucht halt einfach die richtige Kleidung.“ Für die Waren sei die Feuchtigkeit natürlich nicht so gut, aber ihr Stand ist größtenteils überdacht und gut befestigt. Ganz anders ist die Situation auf dem Brunnenmarkt in Ottakring. Viele hier wollen erst gar nicht über ihre Arbeitsbedingungen sprechen. Wenn es regnet, bauen viele Standler ihre Waren nicht komplett auf, sondern erledigen andere Arbeiten. Auch Gurchara Kapoor öffnet seinen Kleiderstand nicht bei jedem Wetter. Gerade Textilien reagieren empfindlich auf das Wetter. In den Monaten von Jänner bis März sperrt er zu und fliegt in seine Heimat Indien.

Wind ist schlimmer als Schnee und Frost

Somor Steliana, die einen Obst- und Blumenstand auf dem Meidlinger Markt betreibt, hat auch schon so ihre Erfahrungen mit dem Winterwetter gemacht: "Wir haben einmal die Schirme direkt am Stand festgebunden. Das war ein Fehler – der Wind hat den ganzen Stand umgeweht. Die Sachen sind auf dem Boden gelegen, vieles war kaputt. Wir haben dann alles eingesammelt und sind nach Hause gefahren – traurig nach Hause gefahren.“ Der Wind, da sind sich die Standler einig, ist viel schlimmer als Schnee oder Frost. Und trotzdem kommen viele auch im Winter warm eingepackt jeden Tag auf den Markt, um ihre Waren zu verkaufen. "Die Kunden wissen das auch zu schätzen“, ist Frau Pöhl überzeugt. 

Die Zahl des Monats – 26

Die 26 Wiener Märkte beherbergen auf 90.000 Quadratmetern Gesamtfläche etwa 900 ständige Marktbetriebe, 600 tageweise Marktbezieher (Bauern und Händler) sowie 4.000 Arbeitnehmer. Die Wiener Märkte erwirtschaften einen Umsatz von 300 Mio. Euro und damit 4 % des Gesamtumsatzes des Wiener Handels. 21 Märkte finden täglich von Montag bis Samstag statt.

Infos zu den Wiener Märkten findest du hier.

  • Adresse: Am Modenapark 1-2, 1030 Wien

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