ZVG

Integration durch Theater

Es darf in der künstlerischen Arbeit keinen Unterschied zwischen behindert und nicht behindert geben. Das Wiener Ensemble proArte ist seit Jahren für sozialkritisches Theater bekannt. So zum Beispiel durch die Produktionen “Der Tanz im Narrenturm” (seit 2003 am Spielplan), “Wilde Rosen” (2008 – 2013) oder zuletzt “Imagine all Generations”. Thematisch beschäftigen sich die Inszenierungen mit Empowerment und Fragen des Mensch Seins und halten Gesellschaft wie Publikum auf so ernsthafte wie humorvolle Weise Spiegel vor Augen und eröffnen so für den einzelnen Zuschauer Raum für eigene Wahrnehmung und Reflexion. Gleichberechtigung ist in der Zusammenarbeit immer Thema, weil Behinderung keines ist.

Die Situation behinderter Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten merklich verbessert. So haben die Eltern behinderter Kinder seit der 15. SchOG Novelle aus dem Jahre 1993 die aktive Wahlfreiheit, ob ihre Kinder integrativ beschult werden sollen oder doch lieber in der Sonderschule. Diese Frage ist keinesfalls pauschal, sondern definitiv nur individuell zu beantworten. Integration ermöglicht jedoch einen von Anfang an angst- und vorurteilsfreien Umgang zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen. Auch das Angebot der persönlichen Assistenz gibt behinderten Menschen ein Instrument in die Hand, ihr Leben ihren persönlichen Vorstellungen und Lebenszielen entsprechend selbstbestimmt zu führen.

Behinderte Menschen sind selbstverständliche Mitglieder der Gesellschaft. Vielfach gehen sie einer bezahlten Arbeit nach, wenngleich die Arbeitslosigkeit unter behinderten Menschen nach wie vor sehr hoch ist. Doch obwohl es für behinderte Menschen viele Unterstützungsmöglichkeit von öffentlicher Hand gibt, passiert es auch im Jahr 2015 noch, dass eine Gruppe behinderter Gäste eines Gasthauses verwiesen werden, weil sie die anderen Gäste stören.

„Der Besuch“ von Martina Murzek könnte und sollte als Aufforderung gelesen werden, das Selbstbestimmung wichtiger zu bewerten ist, als die Überzeugungen „der Masse“ (wer ist das?) solange wir uns im gesetzlichen und allgemeingültigen Bereich bewegen. Daran kann nicht oft genug erinnert werden. Jede/r von uns braucht immer mal wieder Ermutigung, neue Gedankenexperimente zu wagen. Für uns Grund genug, dieses Stück am internationalen Tag der Behinderten in einem barrierefreien Theater wiederaufzunehmen.


Vorstellungen
Datum: 2. und 3. Dezember 2016
Uhrzeit: jeweils 19:30 Uhr
Ort: 2., Blumauergasse 24 (Theater Delphin) – barrierefrei
Kartenpreise:
12€ – persönliche Assistenten in Begleitung ihrer Kunden haben freien Eintritt
8€ ermäßigt für Behinderte, Arbeitslose, Studenten und Senioren
Reservierungen: 0676/ 31 99 700

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *