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Wiener Weltküche statt Europapolitik

Wie der Löwenzahn aus dem Asphalt ragt die „Marx Restauration" aus der Grossbaustelle St. Marx. Ex-Journalistin und Ex-Politikerin Karin Resetarits hat hier vor fünf Jahren begonnen – und noch marximal viel vor.

Es hat den Charme des Unfertigen, den man entweder liebt oder hasst. St. Marx ist eines der sogenannten Stadtentwicklungsgebiete und hat unbestreitbar Potenzial. Denkmalgeschützte Backsteinhäuser, nah zu den Öffis und doch abgeschirmt und in sich geschlossen. Baumaschinen, Besucher der Dino-Ausstellung in den Rinderhallen und Berufstätige aus dem T-Mobile-Center bestimmen das Leben in der Enklave. Das Wort „Oase" wird inflationär und meist unpassend verwendet – im Fall der „MARX Restauration" trifft es den Nagel auf den Kopf.

Als die Politik 2005 St. Marx zum Stadtentwicklungsgebiet erklärte, hatte Resetarits ihr Restaurant schon eröffnet.

Journalistin, Moderatorin, Politikerin, Gastronomin – wie möchten Sie am liebsten wahrgenommen werden?

Es ist komisch, was die Leute von einem wissen und was nicht. Wenn man mich erkennt, wird
meistens Fernsehen assoziiert (Anm.: z. B. „Ohne Maulkorb"). Punkto Politik heißt es eher: „Ah ja genau, da war doch noch was." Ich mache immer wieder gerne was Neues, und heuer ist sowieso ein großes Umbruchjahr.

Wie ist die Zeit nach Brüssel? Vermissen Sie etwas?

Die Stadt ja, aber ich bin froh, wieder daheim zu sein. Dass die Herumzigeunerei ein Ende hat, freut natürlich die Kinder.

… und Sie können sich jetzt mehr um Ihr Restaurant kümmern. Sie wurden ja knapp vor der Eröffnung ins EU-Parlament gewählt.

Natürlich. Ich bin ein- bis zweimal die Woche im Lokal, kümmere mich um das Konzeptionelle, das Marketing. Für das tagtägliche Geschäft habe ich aber einen operativen Geschäftsführer.

Welche Küche wird in der Restauration angeboten? Sie haben derzeit ja nur mittags offen …

… was sich ändern wird, wenn sich hier mehr Firmen ansiedeln und die Wohnbauten fertig werden. Derzeit kann das Lokal abends gemietet werden und wir bieten ein Catering an. Die Küche jedenfalls sollte wienerisch, aber auch weltoffen sein. Mein damaliger Küchenchef
(Patrick Müller, bekannt aus „Silent Cooking" im ORF) hat mich gefragt: „Aber wie heißt das dann?", und so kamen wir zu „Neue Wiener Weltküche".

Und Ihr zweites Lokal, schräg gegenüber, soll eine Pizzeria werden, richtig?

Genau. Im März 2010 sollten wir damit fertig sein. Mit Fenstern bis zum Boden, was hier im ersten Lokal wegen des Denkmalschutzes nicht möglich war. Mit einem Gemeinschaftstisch, aber auch Take-away. Und nur Pizza, römischer Pizza, die nach Gewicht geht. Den Wein soll
man in Zentimetern bestellen können – so kann man sich jede Flasche öffnen lassen.

Wie kommen Sie zu diesen Ideen?

Das mit der Pizza ist aus Brüssel kopiert. Generell bin ich eine leidenschaftliche Restaurantbesucherin und esse gern. Thai zum Beispiel. Trends sind Gefühlssache, man
muss die Augen aufmachen. In Brüssel habe ich in der Restaurantgegend gewohnt und eigentlich immer gewusst, was gehen wird und was nicht.

Was glauben Sie – was boomt als Nächstes in Wien?

Da würde ich auf die libanesische Küche tippen. Aber abgesehen von Trends muss man für etwas stehen – deswegen bin ich auch noch nicht ganz zufrieden mit dem Restaurant hier.

Sind Veränderungen geplant?

Ein Relaunch ja. Es Umbau zu nennen, würde zu weit gehen. Eine Feng-Shui-Beraterin war hier und hat mir beispielsweise erklärt, dass die negativen Energien des einstigen Schlachthofs durch den Abriss weg sind. Aber auch, dass ich etwa keine fleischfarbenen Möbel verwenden sollte.

Wie stehen Sie eigentlich zur Raucher-Nichtraucher-Debatte in Lokalen?

Also ich tendiere ja zu einem Nichtraucherlokal. Mit Heizstrahlern im Außenbereich. Kennen Sie den Begriff „smörten"?

Nein, nicht wirklich …

Er setzt sich aus „smoke" und „flirten" zusammen – ist doch nett. Mein Geschäftsführer ist allerdings fürs Raucherlokal.

Wenn die Restauration gerelauncht ist, die Raucherfrage entschieden und die Pizzeria eröffnet: Sind Sie dann so weit fertig mit allem?

Es gibt noch die vage Idee eines dritten Lokals, neben der Marxbox. Das wäre dann die Variante mit nur gesundem Essen, gesundem Mittags-Fast-Food zum Beispiel. Die funktioniert aber nur, wenn meine Idee, selbst Obst und Gemüse anzubauen, fruchtet. Und bisher hatte ich nicht mal Zimmerpflanzen (lacht).

Die Stadt hat ihre Pläne für St. Marx. Sie sind bereits seit 2004 hier. Wie wäre Ihr Masterplan?

Mir persönlich schwebt ein gastronomischer Treffpunkt vor. Gergelys Schlossquadrat ist ein Vorbild dafür. Was das Gebiet an sich angeht, würde Kunst hier sicher gut funktionieren. St. Marx ist jedenfalls ein Hoffnungsgebiet. Und ich habe einen langen Atem …


 

MARX Restauration
Maria Jacobi Gasse 2, 1030 Wien
Tel.: 01/515 00 500
  • Adresse: Ganz Wien -, 1010 Wien

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