Kampf um die Stadt

Sie marschieren und marschieren und marschieren. Sie alle?–?jeglicher Coleur. Diese Videosequenzen begrüßen den Besucher des Raums 10 der Ausstellung „Kampf um die Stadt“ im Künstlerhaus (bis 28.?3.). „Kaum jemand weiß von den täglichen politischen Konflikten, die 1932/33 zwischen Linken und Nationalsozialisten in Wien tobten“, berichtet einer der Kuratoren, Kurt Bauer. „Justizpalastbrand oder Juliputsch sind bekannt, die Uni-Krawalle dagegen z. B. kaum.“ Fotos, Videos und Objekte rekonstruieren die Zeit um 1930. Im Wahljahr 2010 besonders interessant: der Wahlkampf 1932. Die Plakate (noch ohne Spitzenkandidaten-Konterfei) zeigen eine ungemeine Direktheit – teils Perfidie, denn die Nationalsozialisten verstanden den Umgang mit religiöser Symbolik und heroischen Figuren leider nur zu gut.
Die sozialdemokratische Partei reagierte selbstbewusst. Äußerst sehenswert: Die Wahlkampfbroschüren der Sozialdemokraten, die teils sogar Hitler am Titelblatt hatten. Mit diesem ersten falschen Eindruck wollte man Rechte anlocken, um sie dann mit dem linken Inhalt „umzudrehen“. Eine „Trojanisches Pferd“-Taktik, die heute schwer vorstellbar ist.

Generell lohnt sich bei Ausstellungen immer der Blick ins Begleitprogramm. Im Fall von „Kampf um die Stadt“ ist es besonders empfehlenswert. Hier einige ausgewählte Veranstaltungen:

* Am 18.3. führt Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos persönlich durch die 17 Räume umfassende Opus Magnum-Schau. Sein Thema: „Kampf um die Straße – Politik, Stadtleben und öffentlicher Raum“.

* Am 20.1.: die Stadtexpedition „Kommunaler Wohnbau der 20er-Jahre“ (2 h, 5 Euro, Treffpunkt um 15 h bei der Straßenbahnhaltestelle Eichenstraße

* TIPP! Orte politischer Gewalt um 1930: Am 12.2. um 14.30 Uhr geht es mit dem Bus vom Künstlerhaus aus durch die Stadt. Dauer 3 h, Kosten 9 Euro inkl. Bus

* 3.2.: Volkstheater Rote Bar: „Was kann der Sigismund dafür …“ – Liederabend zum Mitsingen von und mit Ulrich Gabriel. Eintritt 7 Euro, Beginn 22 Uhr

* 17.2., 19 Uhr, Wien Museum am Karlsplatz: „Die Feuilletons der Arbeiterzeitung, Lesung mit Bernhard Seyringer“, Eintritt frei!

* TIPP! 12.3.: 19 Uhr, Liebhartstaler Bockkeller (Gallitzinstraße 1, 1160): Schlager und Wienerlieder um 1930 als „Offenes Singen“ (eine Art Massen-Karaoke). Eintritt frei!

 www.wienmuseum.at

  • Adresse: Karlsplatz 5, 1010 Wien

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