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Bühnen-Klassiker von Stefan Zweig in der Schweiz

Der Wiener Autor Stefan Zweig hatte einst „Volpone oder Der Fuchs“ (nach Ben Jonson) frei bearbeitet – derzeit sorgt das Stück im Stadttheater Solothurn (Schweiz) unter der Regie von Daniel Pfluger für Jubel, Applaus und Begeisterung. Worum geht’s in dem “tierischen” Stück? Volpone (Günter Baumann), Geschäftsmann und  Zyniker, heckt er einen perfiden Plan aus, um sich zu belustigen und sein Vermögen zu vergrößern. Er spielt den Kranken und lässt durch seinen Diener Mosca (Tim Mackenbrock) die Schmeißfliege, die Nachricht verbreiten, er sei dem Tode nahe und unschlüssig, wessen Name er ins Testament schreiben soll. Und schon hecheln und schleichen sie herbei, die sogenannten Freunde: Voltore, der Geier (bravourös Lou Elias Bihler), der Notar, Corbacchio, die Krähe (Hannes Fischer), der Wucherer, Corvino (Jan-Philipp Walter Heinzel), der Kaufmann, und Canina (Fernanda Rüesch), die Kurtisane. Sie kreisen wie die Aasvögel um den vermeintlich Sterbenden, umgarnen und beschenken ihn, mit der Absicht, er möge doch gerade sie zu seinem Alleinerben machen. Volpone amüsiert sich heimlich köstlich. Mosca versteht es, die habgierige Gesellschaft gekonnt gegeneinander auszuspielen.

“Volpone, or The Fox” nannte der Shakespeare-Zeitgenosse Ben Jonson (1572–1637) seine wunderbar schwarzhumorige Komödie. Dabei bezog er sich auf die Fabel vom schlauen Fuchs, der sich ins Feld legt, seine Augen verdreht und sich tot stellt, um so die Aasvögel anzulocken. Doch nicht nur die Titelfigur Volpone trägt einen sprechenden Namen, vielmehr stehen sämtliche Figuren für ein bestimmtes Tier (Geier, Rabe, Krähe usw.) und machen so deutlich, dass ein Mensch ohne Skrupel und Moral sich kaum noch vom Tier unterscheidet. Im Gegenteil.

Das um 1605 am Londoner Globe Theatre uraufgeführte Stück ist ein hochkomisches zeitloses Sittengemälde in der Tradition der Commedia dell’arte. Stefan Zweigs (1881–1942) kongeniale Bearbeitung brilliert durch viel abgründigen Witz und Scharfzüngigkeit, und verhalf dieser einst als “lieblos” bezeichneten Komödie 300 Jahre nach ihrer Entstehung nochmals zu größter Popularität. 1926 veröffentlichte Stefan Zweig eine völlig freie Neubearbeitung des Klassikers. Er übernahm dabei großteils die Figuren der Cemmedia dellàrte, formulierte aber frei und in vergleichsweise moderner Ausdrucksweise. Dabei änderte Stefan Zweig sowohl die Originalgeschichte als auch die Charaktere in weiten Teilen ab und schrieb ein neues Ende, bei dem Volpone sein Vermögen verliert.

Nächste Aufführungen in Solothurn für reisefreudige Wiener Theaterfans: 17.11., 27.11. und 31.12.

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