Klingende Namen

Einst gab es einen jungen Prinzen, in schweren Depressionen gefangen war er durch nichts zu erheitern.  Da erfand man für ihn die tschechische Sprache – plötzlich hörte man den Gecken lachen. Solchermaßen Bissiges erzählt der Schriftsteller, selbst austro-böhmischer Herkunft, Fritz von Herzmanovsky-Orlando.

Wien war immer schon Schmelztiegel. Fremde Namen blieben es meist nicht lang. Die Tschechen und ihre Prohaskas und Dworaks (richtig ausgesprochen natürlich Dworschak) gehören mittlerweile zum österreichischen Namensinventar. Die „Tschechen“ von heute sind vor allem Serben, Kroaten und Türken. Hier ist die flüssige Aussprache ihrer Namen noch nicht so geläufig.

Vor allem das Türkische bereitet Probleme. Was sich Yigit liest, schreibt man eigentlich Yigit und gesprochen wird es Yi-it, also ohne „g“. Und wer Özpeker heißt, so wie ein gewisser Güney (Güne-i) Özpeker, freut sich, wenn man ihn „Öspeker“ (mit stimmhaftem „r“ am Ende) ruft. „Ich bin es gewohnt, dass jemand ohne Türkisch-Kenntnisse meinen Namen falsch ausspricht – ich kann ja z. B. auch nicht Russisch“, schmunzelt der 38-jährige Türkei-Manager bei Do&Co.
Auch sein Chef Attila Dogudan trägt übrigens solch ein stummes „g“ im Namen – genau, richtig spricht man ihn „Do-udan“ aus. „In der Schule wurde schon manchmal über meinen Namen gelacht, aber es gab auch lustige Namen aus Österreich?– ich denke da an Frau Blind“, lacht Damir Trtanj (mit j gesprochen) vom Verbund-Projektmanagement. Sein Name ist kroatisch, Schwierigkeiten bei der Aussprache sind häufig, doch nicht selten ist nach der Berichtigung auch das Eis gebrochen.
Nicht leicht haben es die Wiener auch mit den Ungarn: Das „á“ wird als „a“ gesprochen, während sich das „a“ ohne Accent bei den Magyaren als „o“ vernehmen lässt. „Im Zweifelsfall kann man ja einfach fragen“, so Kosmetikerin Carmen Bányász. … Und die richtige Aussprache lautet?– hätten Sie’s gewusst – „Banyas“, denn „sz“ wird als „s“ gesprochen, während erst das ungarische einfache „s“ als unser wohlbekanntes „sch“ intoniert wird. Verwirrend.
Es geht aber noch schwieriger: Dschantschourajeva, Djurdjevic oder Milosavljevic …

Doch was ein echter Wiener ist, geht nicht unter – im Zweifelsfall wird er den Unaussprechlichen wohl mit „Oida“ rufen – oder ihn namentlich einbürgern, ganz wie Herwig Seeböck in der Häfen­elegie: „Bei mir haaßt’ Franz.“

  • Adresse: Stephansplatz, 1010 Wien

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