Kontrovers: Wildschweine im Visier

Mit November schließt der Lainzer Tiergarten seine Pforten. Dann sind in des Kaisers ehemaligem Jagdrevier einige hundert Wildschweine zum Abschuss freigegeben. Was von Tierschützern bekämpft wird, ist für das Forstamt (MA 49) eine erforderliche Hegemaßnahme. Als es Anfang November einen Jagdtermin gab, kletterten rund 10 Tierschützer über die Mauern des Tiergartens und versuchten die Jäger vom Waidwerk abzuhalten. Mit Erfolg. Forstamt-Leiter Andreas Januskovecz: "Meine Mitarbeiter vor Ort haben professionell reagiert. Die Jäger entluden sofort ihre Büchsen, als die Tierschützer kreuz und quer umherliefen. Die Jagd habe ich sofort abgeblasen.“

Jährliche Jagd oder Verhütungsmittel?

Wie viele Wildschweine im Lainzer Tiergarten leben, ist nicht genau zählbar. Rund 1.300 bis 1.600 Tiere sind es laut Schätzungen der MA 49. Sus scrofa, so der lateinische Name für die braunen Schweinchen, findet in Lainz jedenfalls beste Rahmenbedingungen vor: Im Frühjahr finden sich zahlreiche Engerlinge (Maikäfer-Larven) in der Erde, auch Eicheln gibt es en masse. "Dazu kommen die milden Winter der letzten Jahre, und so ist es keine Seltenheit, dass eine Wildsau bis zu dreimal jährlich wirft. Und dann rund 10–12 Frischlinge. Daher ist es notwendig, im Jahr 1.000 bis 2.000 Tiere zu erlegen“, so oberster Forstverwalter Januskovecz. Von Seiten der Tierschützer wird ein gewaltfreies Nachwuchs-Management gefordert. Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken (VgT): "Es handelt sich um einen begehbaren Tiergarten, und man sollte natürlich darauf schauen, dass es nicht zu viele Tiere werden. Doch dafür gibt es Verhütungsmittel. Meine Hündin würde auch mehrmals jährlich werfen, wenn ich dagegen nichts unternehmen würde – da liegt die Verantwortung beim Besitzer.“ Auch wenn bei Tauben mittlerweile Verhütungsmittel zum Einsatz kommen, ist die Wissenschaft vorsichtig, wenn es darum geht, Wildtieren die Pille zu verschreiben. Dr. Walter Arnold vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI): "Das ist eine ethische Frage: Ich warne davor, Wildtiere medikamentös zu behandeln, egal ob im Zoo oder in der Wildbahn. Zum Leben eines Tieres gehört Fortpflanzung. Abgesehen davon ist es schwer, Medikamente in der richtigen Dosis an das Schwein zu bringen, da sich dominante Tiere beim Futter durchsetzen. Auf das Geschlecht gibt es auch keinen Einfluss. Eine weitere Möglichkeit ist die Immo-Kontrazeption: Hier wird den Tieren ein Virus ins Futter gemischt, der letztlich durch eine Gen-Manipulation impotent macht. Wir sollten hier nicht eingreifen“, so Dr. Arnold.

Weiterer Vorwurf der Tierschützer: "Wir störten die Jagd, weil hier an die High Society Abschüsse verkauft werden: Rund 6.000 Euro bekommt die Stadt für jeden toten Keiler“, so Balluch. Laut Januskovecz wäre der Geldwert eines Keilers je nach Größe bei rund 1.000–3.500 Euro, doch abgesehen davon "ist das natürlich eine Möglichkeit finanziell aufzustocken?– für Futter und die Instandhaltung des Tiergartens“. Rund 35 Gastjäger beteiligten sich.
Der Lainzer Tiergarten ist eine eierlegende Wollmilchsau: Recht naturbelassen und doch ummauert ist er ein semi-natürliches Gebiet, das sich großer Beliebtheit erfreut, weil man beim Spaziergehen häufig Wildschweine sieht. Und dafür braucht es nun einmal eine höhere Dichte der faszinierenden Tiere.

  • Adresse: Hermesstraße, 1130 Wien

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