Kuba: Isabell im Zigarren-Land

Der Name Carlos de Almeida ist Kubanern ein Begriff. Der pensionierte Zigarrenhändler ist auf der Insel eine fixe Größe und führte eines der exklusivsten Zigar­ren­geschäfte. Und bei keinem Geringeren absolvierte die 16-jährige Isabell Hazar eine zweimonatige Lehrzeit, in der sie den geheimnisvollen Nebel der Zigarrenwelt wenigs­tens ein bisschen lüften durfte. Denn Einblick in Kubas heiliges Tabak-Universum wurde bislang insgesamt nur rund einem Dutzend Außenstehenden gewährt: Isabell Hazar ist die erste Frau und Österreicherin, die ihr Wissen auf solch erlesene Weise vertiefen konnte. Und zu lernen gibt es viel im Zigarrengeschäft. "Der richtige Zeitpunkt für die Ernte, das Stapeln und Bündeln der Blätter braucht schon einiges an Erfahrung. Man muss die Blätter fühlen und mit Hilfe von Geruch und Aussehen den Reifegrad erkennen“, so Isabell.

Vom Ernten bis zur fertigen Zigarre

In der zweiten Woche lernte Isabell dann, das Tabakblatt von seiner Mittelrippe zu trennen. Die übriggebliebene Rippe wird – unglaublich, aber wahr – für ein eigenes Parfum weiterverarbeitet "und trägt den Namen der berühmten Zigarrenmarke ­'Montecristo‘“, lacht Isabell. Ein Höhepunkt ihres lehrreichen Aufenthalts war das Rollen, die Königsdisziplin im Zigarrengeschäft. "Die Roller genießen den größten Respekt – es gibt sogar Roller, die durch ihre Künste landesweit berühmt wurden“, erzählt Isabell. Und lustig war es bei den Rollerinnen auch: "Wenn sich Touristen die Fabrik bei einer Führung ansehen, wetten die Rollerinnen immer um Kleinigkeiten, aus welchem Land sie kommen, und rufen dann in verschiedenen Sprachen quer durch den Saal“, lacht Isabell. Um das Rollen zu erlernen, hatte sie drei Wochen Zeit – doch bräuchte es eigentlich ein Jahr, um diese Kunst zu beherrschen. "Fabriksdirektor Miguelito hatte natürlich die Ehre, eine meiner ersten selbstgerollten ­Zigarren zu rauchen, und war eigentlich ganz ­zufrieden“, so Isabell.

Tabak, Tradition und große Namen

Das Leben auf Kuba erforderte allerdings kleinere ­Umstellungen: "Einmal in der ­Woche gab es Stromausfall, und jetzt kann ich bestens mit Öllampen umgehen“, schmunzelt Isabell. Vorsicht ist auch beim Laufen an der Meerpromenade geboten: "Wenn man nicht aufpasst, wird man von den plötzlich aufpeitschenden 3-Meter-Wellen völlig durchnässt“, erinnert sich die Zigarren-Expertin mit Schaudern.
Das Interesse für das exklu­sive Tabak-Blatt wurde ihr vom ­Vater in die Wiege gelegt: "Mein Vater führt mit 'cigarstore Hazar‘ seit zehn Jahren ein gut sortiertes Tabak­geschäft in der Marga­retenstraße“, so Isabell bescheiden. Das "gut sortierte“ Geschäft von Vater Ercan erhielt letztes Jahr eine Auszeichnung der Kubaner für die am besten gelagerte Montecristo-A-­Zigarre. Ein Know-how, das Ercan wiederum von seinen Großeltern erlernte, die in der Türkei eine Tabakplantage besaßen. Man sieht schon: Tradition, große Namen und Tabak gehen Hand in Hand.

  • Adresse: Margaretenstraße, 1040 Wien

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