Lasst es leuchten, Korallen

Das Haus des Meeres zeigt die rätselhafte Fähigkeit, UV-Licht zu verwandeln

Korallen sind merkwürdige Lebewesen. Sie sind koloniebildende Nesseltiere. Die Steinkorallen sind am bekanntesten. Sie haben den Hauptanteil an der Entstehung der Korallenriffe. Ohne sie würde es ganze Inselgruppen gar nicht geben. Die Schwarzen Korallen sind mit 150 Arten sehr viel artenärmer. Obwohl schon lange erforscht, bieten die Tierchen einige Geheimnisse, die bis heute nicht geklärt sind. War­um zum Beispiel leuchten sie, wenn sie mit UV-Licht bestrahlt werden?

Aus UV-Strahlen wird Neonlicht

Sie haben die Fähigkeit, UV-Licht in sichtbares Licht umzuwandeln. Dann strahlen sie in grellem Neonlicht. Wobei die Farbpalette von Blau über Rot, Gelb und Orange bis Grün reicht. Sie ziehen sich quasi die reflektierende Warnweste an. Fix ist: Es sind Eiweißpigmente im Inneren des Korallengewebes, die in auffälligen Grün-, ­Orange- und Rottönen schillern, sobald sie mit blauem oder ultraviolettem Licht angeregt werden.

Das sieht dann so faszinierend aus, wie auf den beiden Bildern auf der Seite. Besucher von Diskotheken kennen den Effekt: Während manche Materialien im UV-Licht von Schwarzlichtlampen leuchten, bleiben nicht fluoreszierende Gegenstände dunkel. Darum heben sich die Korallen so sehr vom Hintergrund ab, wenn UV-Strahlen auf sie fallen. Bei Tageslicht sind diese Farben aber kaum zu sehen. Dass sich auch Nesseltiere zum Leuchten anregen lassen, hat der Brite Charles Phillips 1927 bei einem Strandspaziergang entdeckt. Ihm ist die eigentümlich schimmernde Färbung einiger Seeanemonen in einem Tidentümpel aufgefallen. Er nahm eines der Tiere mit nach Hause und bestrahlte es mit einer UV-Lampe. Die Anemone leuchtete in intensivem Grün.

Seitdem suchen Wissenschaftler nach dem Geheimnis der fluoreszierenden Fähigkeiten von Korallen, Anemonen und Quallen. Die beginnen schon im Babystadium: Während Jungkorallen mit bloßem Auge frühestens ab einer Größe von etwa einem halben Zentimeter und ab einem Alter von knapp einem Jahr zu erkennen sind, fallen unter UV-Licht schon Winzlinge von einem Millimeter Durchmesser als kleine Lichtpunkte auf, die gerade erst ihre frei schwimmende Lebensweise aufgegeben und sich auf dem felsigen Unter­grund niedergelassen haben. – Die Show ist jetzt in Mariahilf zu sehen.

Meer in Wien

Das Haus des Meeres ist zwar mehr als 500 Kilometer vom nächsten Meer entfernt, aber es bringt die Tiere und Pflanzen des Salzwassers nach Wien: vom Stechrochen bis zur Wasserschildkröte, von Krabben und Krebsen bis zu Haien. Und damit den Tieren im unübersehbaren Flakturm am Fritz-Grünbaum-Platz 1 nicht langweilig wird, gibt es immer Sonderausstellungen.

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