Machtkampf auf der Donau

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Warten und harte Arbeit, Zufälle und Trott, Konkurrenz und Miteinander bestimmen den Alltag der Matrosen, Techniker und Kapitäne – sie sitzen auf der Donau alle in einem Boot. Egal, mit welcher Crew man spricht, ob aus Deutschland oder aus Rumänien – die Krise der Binnenschifffahrt ist das Hauptthema. Die Konkurrenz unter den Reedereien ist groß.

Im Konvoi stromaufwärts

"Wir brechen in zehn Minuten auf, aber zu erzählen hätten wir viel“, meint einer der rumänischen Matrosen, ein Mechanikstudent aus Galatz.  Und dann nimmt er sich doch mehr Zeit zum Erzählen, die Abreise verzögert sich. Der 41-Jährige gehört zur jüngeren Generation auf See. Seine Lage ist prekär. Er arbeitet im monatlichen Schichtdienst für 300 Euro. Von Romantik keine Spur: "Ich fühle mich hier wie im Gefängnis und vermisse meine Familie“, erzählt der junge Vater, der am Schwarzen Meer aufwuchs.
Der Kahn muss weiter – in Linz wird auf den Phosphat-Vorrat gewartet. Auf dem Frachtschiff hat der Mechaniker Zeit zum Verschnaufen. Denn es hat keinen Motor, es wird von kleinen Schleppern fluss­aufwärts gezogen.

Kaum Privatleben

Ein bei weitem moderner aus­­gestatteter Frachter aus Würzburg legt neben dem ­rumänischen Pendant an. Obwohl das langgestreckte Schiff geräumig wirkt, arbeiten darauf nur drei Leute – der Kapitän, ein Praktikant und ein serbischer Techniker. "Seit der Errichtung des Rhein-Main-Donaukanals 1993 bin ich vom
Schwarzen Meer bis zur Nordsee unterwegs“, erzählt der Kapitän. Er beschreibt sein bisher 30-jähriges Berufs­leben als spannend, aber auch als spartanisch und einsam: „Das ganze Privatleben leidet darunter, weil ich nur ein paar Wochen im Jahr zu Hause bin.“
Die Konkurrenz auf der Donau wird immer härter. Bei gleicher Leistung arbeiten Mannschaften aus Bulgarien und Rumänien um viel weniger Geld als die aus den westlichen Ländern. "Aber auch die meisten deutschen ­Reedereien verbieten inzwischen Überstunden, von denen wir praktisch gelebt haben“, beklagt sich der ­Kapitän. Um den Frust zu ertränken, hängt er mit seinen beiden Kollegen dann doch bis spätabends in einem Leo­poldstädter Beisl ab. Aber zuerst muss er zu Stromkilometer 1932 – zum Hofer billigen Kaffee einkaufen. Aber das macht er zu Fuß.

Weitere Informationen

Binnenschifffahrt. Die offiziellen Arbeitssprachen für Kapitäne und Matrosen auf der ­Donau sind Französisch und Russisch. "Die österreichische Binnenschifffahrt ist quasi in­existent“, erklärt der Kapitän aus Würzburg.

Stromkilometer.  Binnenschiffer bestimmen ihren Standort durch den Kilometerstand, der von Constanta in Rumänien stromaufwärts gemessen wird. In Wien reicht die Donau von Kilometer 1914 bis 1945 – ein makabrer Zufall.

  • Adresse: Handelskai, 1020 Wien

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