Mythische Biografie im Schauspielhaus

Das Schauspielhaus zeigt im Februar das Stück „Kaspar Hauser oder die Ausgestoßenen könnten jeden Augenblick angreifen“ und erzählt darin von Kaspar Hausers Leben, in dem er seine Mitmenschen fasziniert, provoziert und verstört. Seine wahre Herkunft ist bis heute umstritten und seine Biografie ließ ihn zu einem modernen Mythos werden.

Kinderstar oder Freak, Hochstapler oder gewaltsam beseitigter Prinz, Märtyrer oder Monster – wer ist der ungebetene Gast, der wie aus dem Nichts am 26. Mai 1828 in Nürnberg auftaucht? Plötzlich steht er verloren in der Stadt, 16 Jahre alt, kaum kann er sich verständlich machen, nur einen Satz bringt er undeutlich hervor: „Ich möchte ein solcher werden, wie einmal ein anderer gewesen ist“.

Ein Lehrer nimmt ihn zunächst fasziniert bei sich auf und bringt ihm das Schreiben bei. Kaspar beginnt daraufhin seine Biographie zu verfassen: Darin behauptet er, wenige Tage nach seiner Geburt eingesperrt worden zu sein. Fortan sei er in völliger Isolation aufgewachsen, ohne jemals einen anderen Menschen zu sehen. Ohne von den anderen ihre Sprache, ihre Gebräuche kennenzulernen, ohne von Kindesbeinen an durch Erziehung in die Gesellschaft integriert worden zu sein.

Für kurze Zeit wird Kaspar dadurch zum schillernden Star. Mit drastischen Mitteln buhlt er um die Aufmerksamkeit seiner Umwelt. Nach einer kurzen Phase, in der ein wahrer Kaspar-Hauser-Tourismus in Franken einsetzt und die Medien intensiv über den aufsehenerregenden Fall berichten, wendet sich deshalb das Blatt gravierend. Als das rätselhafte Faszinosum den Reiz des spektakulär Neuen verloren hat, erweist er sich als lästige Zumutung, weil er jede soziale Konvention als keineswegs naturgegebene Konstruktion entlarvt.


Infos, Termine und Tickets finden Sie unter www.schauspielhaus.at

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