Neue Nummer, alte Probleme

Wer die Notrufnummer 133 wählt, hat die ­Gewähr rascher Hilfe. Nur mit Wiener Sicherheits­anliegen auf der einen und ­Innenministerin Fekter (ÖVP) auf der anderen Seite schien die Leitung tot: Unterbesetzte Wachzimmer, marode Amtsgebäude, mangelhafte Ausrüs­tung galten als Dauerzustand, der die Nerven völlig über­arbeiteter Exekutivbeamter blank liegen ließ. Im Wahlkampf letzten Oktober die Wende: Fekter sagt 1.000 neue Polizisten für Wien zu.

Handschlag brachte null neue Beamte

Ende Februar 2011 ist die Personalbilanz der Donaumetropole, die mit 20 Prozent des Personals 50 Prozent der österreichischen ­Strafanzeigen abwickelt, jedoch negativ. "Wir befinden uns in der Talsohle – in Wien befinden sich so ­wenige Polizisten wie noch nie", beleuchtet Polizeigewerkschafter Harald Segall trocken den Ist-Zustand in seiner historischen Dimension. Zwar läuft derzeit eine Aufnahmeoffensive von Polizeischülern, die laufend bis zum Jahr 2013 für eine Verjüngung des Kaders sorgen soll. Die der­zeitigen Personalströme spotten aber dem ehrlichen Bemühen der Wiener Polizisten, ihr "Notprogramm" runterzu­spulen.

Acht Länder haben Grund zur Freude

Harald Segall: "Wir stellen fest, dass viele Kollegen derzeit in die Bundesländer versetzt werden – die Ströme zeigen einen Zusammenhang zur jeweils anstehenden Landtagswahl." Von Seiten der Polizeiführung verweist man auf die bereits eingeleitete Ausbildungsoffensive. Derzeit zählt man in Wien rund 500 Polizeischüler, wovon vor allem Wien profitieren soll. Überdies behilft man sich im Haus am Schottenring mit Umstrukturierungen. So wird ab 2012 eine Bereitschafts­polizei dafür sorgen, dass Demonstranten, Fußballfans und Schwerpunktaktionen personell begleitet werden können, ohne die Sicherheitsdienststellen leeren zu müssen. Im Einsatz stehen dann fertig ausgebildete Polizeischüler, die am Anfang ihrer praktischen Ausbildung stehen.

Die Kavallerie des Innenministeriums – zu Polizei-Hilfskräften umfunktio­nierte Postler – hat hingegen keinen Entlastungsschub gebracht. Da sie weder befugt noch ausgebildet sind, Akten einzusehen oder Anzeigen aufzunehmen, ist ihr Nutzen überschaubar. Dem Vorschlag von Bürgermeister Häupl, vor Botschaften und Institutionen die Poli­zei- durch Militäruniformen abzulösen, wurde vom Innenministerium keine Umsetzung beschieden. Verwunderlich, wenn man bedenkt, dass dadurch etwa 200 Uniformierte freigespielt worden wären.

Auf Dauer kann das Spiel "Kein Anruf unter dieser Nummer"  für Wiener Anliegen freilich nicht durchgehalten werden.  Im Jahr 2013 lösen die starken Geburtenjahrgänge die größte Pensionierungswelle in Wien aus. Für ein "Fekter, hallo?" ist es allerhöchste Eisenbahn.

Die Zahl der Woche – 1.478.903

Anrufe sind 2010 in der Landesleitzentrale der Polizei am Schottenring eingegangen. Das waren um 7,61 % mehr als im Jahr davor. Daraus resultierten 425.452 Einsätze in der Bundeshauptstadt (plus 0,88 %)

Ein Notruf für alle Europäer

112. In allen Ländern der EU und der EFTA sowie in Russ­land, der
Ukraine und ­Kroatien gilt die Euronotrufnummer 112. Wer von klein auf
die Nummer 133 eingetrichtert bekommen hat, hat jedoch nichts zu
befürchten: Die alte Nummer bleibt innerhalb Österreichs aktiv. An ein
Auslaufen der 133 ist nicht gedacht.

  • Adresse: Schottenring 7-9, 1010 Wien

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