Nostalgie statt Innovationen

Der Idee der Grünen, ­einen Bus wieder gegen eine Bim zu tauschen, können die meisten Leopoldstädter nichts abgewinnen. Hunderte Parkplätze und Bäume würden dem Projekt zum Opfer fallen. Verkehrsplaner und Experten sehen die Idee als äußerst kostenintensiv und vom planerischen Standpunkt aus als „Irrsinn“.

Der Verkehr hat sich in den vergangenen 30 Jahren verändert. Bei Planungen werden die jeweils aktuelle Situation und selbstverständlich zukünftig anstehende Entwicklungen mit einbezogen. „Das dürften die Grünen anscheinend nicht bedacht haben. So einfach, wie die Grünen sich die Verkehrsplanung vorstellen, ist sie bei Weitem nicht. Bevor die Grünen zu Wahlkampfzwecken eine Idee aus dem Hut zaubern, sollten sie noch einige Überlegungen anstellen“, so Bezirksvorsteher Gerhard ­Kubik. Ein wichtiger Punkt sind auch die Baumfällungen, die bei den Grünen normalerweise zu heftigen Reaktionen führen: „Nach heutiger Planungsweise verkehren neue Straßenbahnlinien auf einem eigenen Gleiskörper. Das würde in der Engerthstraße nicht nur den Verlust von mindestens 150 Parkplätzen bedeuten, es müssten auch ebenso viele Bäume gefällt werden, die dort zwischen den Park­plätzen stehen“, so Kubik weiter.

Keine Anbindung an die Wohnviertel

Für Planungssprecher Gemeinderat Karlheinz Hora gibt es zahlreiche ungeklärte Verkehrssituationen, über die sich die Grünen offenbar keine Gedanken gemacht haben dürften: „Ungeklärt ist etwa die Anbindung an das Nordbahnhof-Gelände, denn die Innstraße ist etwa schon an den Grenzen ihrer Kapazitäten. Außerdem gibt es zahlreiche weitere unklare Kreuzungssituationen“, so Hora. 

Auch die von den Grünen bezifferten Kosten werden sowohl vom Bezirkschef als auch vom Planungsexperten für nicht realistisch gehalten. „In der Engerth­straße müsste ein Weg gefunden werden, um unter der Reichsbrücke durchzufahren, oder eine Schleife gebaut werden. Das ist mit 27 Millionen kaum zu bewerkstelligen“, stellt ­Kubik fest. „Ohne ausführliche Trassenplanung ist seriöserweise überhaupt keine zahlenmäßige Aussage zu den Kosten zu treffen“, erklärt Hora. „Aber dass die Grünen unausgegorene Ideen hinausschreien, anstatt sich mit der Materie zu beschäftigen, ist ja nichts Neues. Würde Frau Puller sich ernsthaft mit Verkehrsplanung auseinandersetzen, dann hätte sie auch den Masterplan Verkehr gelesen. Darin ist eine neue Straßenbahn vom Nordbahnhof-Gelände in Richtung Friedrich- Engels-Platz vorgesehen. Eigentlich müsste sie das wissen“, wundert sich Hora.

  • Adresse: Karmelitergasse 9, 1020 Wien

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