Kampfzone Universität – ein Lokalaugenschein

Geringes Kursangebot, überfüllte Lesesäle, absurde Anmeldeverfahren – auf der Wiener Universität herrschen miserable Zustände. Die Studenten stehen vor etlichen Hürden, wenn sie das Studium in einer annehmbaren Zeit beenden wollen.

Schon die Tage vor der Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen im jeweils nächsten Semester werden in der Hauptuni traditionell mit leichter Hysterie begangen. Management und Recherchetalent sind gefragt. Zuerst gilt es, unter den zur Verfügung stehenden Kursangeboten jene herauszufiltern, bei denen die Uhrzeiten passen. Im Detail heißt das: Checken ob sich die Kurse untereinander zeitlich nicht überschneiden – auch nicht mit Vorlesungen, die man besuchen sollte, um die jeweilen Prüfungen am Ende bestehen zu können. Hinzu kommt bei Berufstätigen die Vereinbarung von Arbeit und Uni. Wer nicht mit flexiblen Arbeitszeiten oder verständnisvollen Chefs gesegnet ist, kann auf gut Deutsch gesagt „brausen gehen“. Denn abendliche Lehrveranstaltungen oder jene, die am Wochenende stattfinden, sind heiß begehrt.

Hoffen und Bangen

Wenn nun die individuell geeigneten Gruppen evaluiert worden sind, muss man darauf hoffen, dass das Thema auch ansprechend ist, den eignen Interessen entspricht und die leitenden Professoren nicht schon als „Ekelpakete“ bekannt sind. Wenn auch das dann geklärt ist, wird es spannend: Punkte setzen, diese richtig aufteilen und das Angebot nach Prioritäten ordnen – für Außenstehende und Unifremde unmöglich nachvollziehbar und selbst für Studenten unlogisch.

Am letzten Tag der Anmeldephase, beziehungsweise in der letzten Stunde vor Fristende, bricht meist die große Panik aus. Bereits 67 Vormerkungen für diese Übung, 59 Vormerkungen für jene Arbeitstechnik. Und das bei jeweils gerade einmal 30 verfügbaren Plätzen. Im letzten Moment werden Punkte anders verteilt und andere Gruppen mit weniger Anmeldungen gesucht. Schlussendlich landen Studenten auf Wartelisten und können somit die Kurse meist nicht besuchen. Das Resultat: Das Studium verzögert sich, man kann es nicht mehr in Mindeststudienzeit absolvieren und womöglich fallen (wie demnächst geplant) Gebühren an oder die Familienbeihilfe muss zurückgezahlt werden.

Viele Studenten, wenige Professoren

Auch auf der Wirtschaftsuniversität funktioniert es nicht besser, denn hier zählt der schnellste Mausklick. Es gilt „first come, first serve“. Ganz nach dem Motto: Wer die beste Internetverbindung hat, gewinnt! Trotz vorgenommener „Verbesserungen“ sind an den Unis keine beziehungsweise kaum positive Unterschiede festzumachen. Das, was hilft, sind Nerven aus Stahl, vor allem aber braucht man einfach nur Glück. Zu viele Studenten, zu wenige Professoren – das ist die harte Realität. Es gibt kaum Chancen auf faire Bedingungen. Ein gerechtes Anmeldesystem muss her! Auch Flexibilität im Studium – insbesondere für Berufstätige – muss sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich durch die ab Herbst geplante Wiedereinführung der Studiengebühren die Bedingungen verbessern werden. Diese Zahlungen in der Höhe von 365 Euro pro Semester sollen für Studenten geltend gemacht werden, die berufstätig sind und die Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemester überschreiten. Ein typischer Schachzug der Politik: Die, die sich ihr Leben während der Studienzeit selbstständig finanzieren und somit nicht in der vorgegebenen Zeit ihr Studium absolvieren können, müssen bezahlen – obwohl sie hart arbeiten anstatt auf der Tasche des Staates oder ihrer Familie zu sitzen.

Überfüllter Lesesaal der Bibliothek in der Hauptuniversität Wien
© Stefan Joham

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.