Pkws in Lenaugasse viel ?zu schnell

Im Grunde ist die Sachlage ganz klar: "In einer Wohnstraße darf nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Kinder dürfen auf der Fahrbahn spielen. Um das Geschwindigkeitsniveau in Wohnstraßen zu verringern, werden bauliche Maßnahmen, wie Fahrgassenversätze, Fahrbahnanhebungen (Aufdoppelungen) und Gehsteigdurchziehungen, gesetzt. Durch Bäume und Sträucher wird die Straße optisch gestaltet und für die Bewohnerinnen und Bewohner aufgewertet." So sieht es die für Verkehrsorganisation zuständige MA 46 in Wien vor.

Die meisten fahren zu schnell

Leider sieht die Realsituation ganz anders aus. "Die wenigsten Autofahrer wissen, dass sie in der Wohnstraße nur im Schritttempo fahren dürfen, also drei bis fünf Kilometer pro Stunde", so der Leiter der Rechtsabteilung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Der Lokalaugenschein in der Wohnstraße Lenaugasse bestätigt die Aussage des Experten. Die Autos fahren zwar langsamer als in der Josefstädter Straße über den Pflastersteinbelag, die Geschwindigkeit gleicht aber einem Sprinter und keinem Fußgänger.
Das ist ein extrem gefährliches Verhalten. Denn auf den 1.090 Metern Wohnstraße in der Josefstadt ist das Betreten der Fahrbahn und das Spielen gestattet. Der erlaubte Fahrzeugverkehr darf zwar nicht mutwillig behindert werden, aber wer hier Vorrang hat, ist gesetzlich ganz klar geregelt. Es sind die motorlosen Bewohner des Viertels, die Fußgänger und die Spaziergänger. Der Fahrzeugverkehr ist verboten. Ausnahmen gibt es für Radfahrer, die dürfen in Wohnstraßen auch gegen die Einbahn fahren. Fahrzeuge des Straßendienstes und der Müllabfuhr dürfen ihrer Tätigkeit nachgehen und Auto- und Motorradfahrer dürfen nur zum Zwecke des Zu- und Abfahrens auf die Wohnstraße. Das Durchfahren ist eindeutig verboten – wird aber dennoch regelmäßig gemacht. Absichtsvoll oder ohne zu wissen, dass man damit gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt.

Überrascht über spielende Kinder

"Deshalb sind viele Autofahrer sehr überrascht, wenn tatsächlich Kinder auf der Fahrbahn spielen", so der Verkehrsexperte Kaltenegger. Die meisten Wiener Autofahrer halten die Wohnstraße offensichtlich für eine Abkürzung, die mit einem Tempo von unter 50 km/h zu befahren ist. Und diejenigen, die sich dunkel an den Fahrschulunterricht erinnern, handeln auch nicht immer richtig. Das Durchfahren der Wohnstraße zwecks Parkplatzsuche ist sehr wohl erlaubt. Manche aber glauben, sie müssten nach erfolgloser Parkplatzjagd anhalten, um nicht gegen das Durchfahrverbot zu verstoßen. Andere wiederum halten sich nicht an die eingezeichneten Parkplätze, sondern parken einfach dort, wo Platz am Fahrbahnrand ist. Kaltenegger spricht sich für mehr sichtbare Überwachung der Wohnstraßen aus. Information und Aufklärung sollten dazu führen, dass Eltern ihre Kinder tatsächlich auf der Straße spielen lassen können, ohne zu befürchten, dass ihnen Autos zum Verhängnis werden. Autos spielen in Wohnstraßen übrigens immer die zweite Geige. Sogar beim Ausfahren aus einer Wohnstraße ist dem Fließverkehr Vorrang zu geben. Ganz gleich, ob man von rechts kommt. Das ist gut zu wissen, denn die Wohnstraßen haben nicht nur in der Josefstadt Zukunft, sondern in ganz Wien. Gab es 1983 erst 460 Meter Wohnstraßen zwischen Hütteldorf und Essling, so sind es aktuell schon mehr als 31 Kilometer. Bei steigender Tendenz, schließlich wünschen sich immer mehr Bezirke diese Verkehrsberuhigung für ihre Bewohner. Der Experte setzt übrigens nicht auf höhere Strafen, sondern auf Öffentlichkeit. Schließlich wissen ja auch die meisten Fußgänger in der Lenaugasse nicht, dass sie
eigentlich auf der Fahrbahn promenieren könnten. Im Grunde ist eine Wohnstraße eine Fußgängerzone mit kleinen Rechten für Kfz-Benutzer. Während in der Fuzo allerdings nur zum Zweck der Ladetätigkeit gefahren werden darf (im Schritttempo übrigens und nur bis 11 Uhr vormittags), dürfen Autos in der Wohnstraße 24 Stunden lang einfahren. Und das an allen Wochentagen, sogar am Wochenende. In der Josefstadt gibt es mit 2.036 Metern Fußgängerzone fast doppelt so viel Freiraum für Fußgänger wie durch die zu schnell befahrenen Wohnstraßen.    

Fußgänger haben in Zukunft Vorrang

Autofahrer sollten jedenfalls die Straßenverkehrsregeln in Wohnstraßen und Fußgängerzonen lernen, denn die rot-grüne Stadtregierung setzt auf den Ausbau. „Um den Anteil der Fußgänger am Modal Split auch weiterhin auf hohem Niveau zu halten, ist eine weitere Attraktivierung des öffentlichen Raums wichtig. Dazu gehört auch eine komfortable Ausgestaltung von Gehbereichen und Fußgängerzonen“, so heißt es im Regierungsübereinkommen.

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