Polizeidienst auf Augenhöhe

Doppel-Interview über aktive Kommunikation, Prävention und neue Eckpfeiler der Polizeiarbeit 

Landespolizeikommandant  Karl Mahrer und Polizeipräsident Gerhard Pürstl wollen, dass Wien für Langfinger weiter an Attraktivität verliert.

Die einstigen "Freunde und Helfer" haben sich vor über einem Jahrzehnt die Losung "Sicherheit & Hilfe" zurechtgelegt. Ist das noch zeit­gemäß?

Pürstl: Mehr denn je. Maximale Sicherheit ist ein vorrangiges Bedürfnis der Menschen. Hier gibt es eine starke Erwartungshaltung.

Und wie sieht die "Hilfe" konkret aus?

Pürstl: Zum Hörer greifen – und die Polizei kommt. Seit 1993 besteht eine gesetzlich verankerte „allgemeine Hilfeleistungspflicht“, also eine Koordinierungskompetenz. Auch die tägliche Erfahrung zeigt: Die Polizei ist fast immer als Erste vor Ort.
Mahrer: An die Stelle des „Freundes“ von einst ist ein „Partner auf Augenhöhe“ geworden. Unsere Arbeit erfordert das Gespräch mit dem Bürger. Diese sind Grätzelexperten.

Wie kann die Polizei diese Grätzelkompetenz nutzen?

Mahrer: Wenn der Anrainer ­einer 30er-Zone seinen Ruf nach Kontrollen mit konkreten Uhrzeiten untermauern, ist das hilfreich. Die Qualität der Information bestimmt oft den Erfolg unserer Arbeit.

Wie kann aktive Kommunikation seitens der Polizei aussehen?

Pürstl: Da fällt mir der "Präventionsbus" ein, der an wechselnden Orten beispielsweise über Einbruchsdiebstähle aufklärt. Wir können als Polizei keine Alarmanlagen installieren, aber durch unsere Glaubwürdigkeit eine andere Beratung anbieten als ein Händler.
Mahrer: Auch in der Ausbildung setzt die Polizei auf die Kommunikation. Diese Fähigkeit wird schon im Auswahlverfahren geprüft. Es reicht nicht mehr, die Gesetze zu kennen und anzuwenden – der Beamte muss dem Bürger sein Handeln erklären können.

Kommt das der neuen aktuellen Generation von Polizeischülern entgegen?

Pürstl: Sehr, denn diese – meist 18-jährigen – Polizeischüler bringen einen neuen Geist mit. Durch den gesellschaftlichen Wandel fällt es ihnen oft leichter, auf Augenhöhe mit den Bürgern zu sprechen. Außerdem bringen sie ein hohes Maß an Motivation aber auch technisches Wissen, etwa im Umgang mit Computern, mit. Das richtige und ordentliche Auftreten lässt sich erlernen.

Was kann die Bevölkerung zum eigenen Schutz beitragen?

Pürstl: Eigenverantwortung stärken ist uns ein großes Anliegen. Die organisierte Kriminalität kalkuliert so streng wie ein Wirtschaftsunternehmen. Es liegt im Interesse aller, Wien als Standort für Kriminelle unattraktiver zu machen. So wissen wir, dass alarmgeschützte Wohnungen um 90 Prozent weniger gefährdet werden. Auch beim organisierten Taschendiebstahl ist es wichtig, die Warnungen der Exekutive ernst zu nehmen.

Man hört immer wieder, dass österreichische Autofahrer im Ausland "gemolken" würden, ausländische Raser aber oft straffrei davonkämen. Stimmt das?

Pürstl: Es gibt zwar gültige Verträge, die Zusammenarbeit mit den Ansprechstellen hinkt aber in manchen Staaten nach. Hier setzt die Idee eines zentralen Strafamts für Auslandsstrafen an. Dazu kommen neue Regeln für die Sicherstellung von Fahrzeugen hin zur Untersagung der Weiterfahrt.

Wie wird der Nachtbetrieb der U-Bahn gesichert?

Mahrer: Hier ist das starre Modell einer fixen Zugsbegleitung einer wöchentlichen Einsatzplanung gewichen, die flexibel und in Abstimmung mit den Wiener Linien örtliche und saisonale Schwerpunkte setzen kann. Ein Modell, das sich bisher bestens bewährt.

Wie steht es um die Motiva­tion der Uniformierten?

Mahrer: Es gibt eine geeinte Führung, die hinter den Leuten steht, klare Rahmenbedingungen und eine neue Kultur im Umgang mit Fehlern. Auch Selbstkritik ist heute möglich.Darüber hinaus gibt es eine Kultur des Danke-Sagens. Gerade deswegen sind wir froh, dass Bürgermeister Häupl die Idee des 133er-Awards entwickelt hat.

Gibt es in der Polizei noch echte "Originale"?

Pürstl: Jeder, der bei der Wiener Polizei seinen Dienst gut macht und vor allem viel Erfahrung einbringt und dadurch auffällt, ist ein "Original" im positiven Sinn.
Mahrer: Wer auch immer den 133er-Award für sein Lebenswerk bekommt, ist mit sicherheit eines dieser "Originale".

Ehre, wem Ehre gebührt: Der 133er-Award

Bereits zum dritten Mal findet am 13. 3. im Wiener Rathaus die große Polizei-Gala "133er Award" statt. Im Rahmen dieser gemeinsamen Initiative von Bürgermeister Michael Häupl und  General Karl Mahrer werden Polizistinnen und Polizisten, stellvertretend für die gesamte Polizeiarbeit in der Bundeshauptstadt, für außergewöhnliche Verdienste um die Sicherheit der Bevölkerung mit dem "133er Award" geehrt.

Als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung von Wirtschaft, Politik und Bevölkerung erhalten die Gewinner eine besondere Auszeichnung. Für insgesamt 6 Kate­gorien, "NewcomerIn des Jahres", "Besondere kriminalpolizeiliche Leistung", ­"Besondere Verdienste auf dem Gebiet der Menschenrechte und des Opferschutzes", "Besondere Verdienste auf dem Gebiet der Prävention", "Polizeiliches Lebenswerk" und "PolizistIn des Jahres" sind Nominierungen möglich. Die Preisträger werden von einer Jury ermittelt, die sich aus den Wiener Sicherheitssprechern, Bürgern sowie Vertretern der Polizei zusammensetzt. 

  • Adresse: Schottenring, 1010 Wien

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