Psychologie des Schenkens

  • Der Nachlässige schenkt, weil es alle anderen auch tun. Entsprechend unspezifisch fallen die Geschenke auch aus.
  • Der Ich-Bezogene schenkt, was ihm selbst gefällt. Alles andere ist ohnedies wertlos. An seinem Geschmack können sich die anderen erbauen.
  • Der Wichtigmacher schenkt, um Macht auszu­üben und um beim Beschenkten eine Rolle zu spielen. Klassiker ist der Ziergegenstand für das Wohnzimmer. Dieser „Gesslerhut“ muss dann ständig im Raum sein. Beschenkte lösen den Konflikt zwischen eigenem Geschmack und dem Geschenk, indem sie den Ziergegenstand aus der Mottenkiste holen, wenn der Wichtigmacher kommt. Oder sie sagen deutlich: Gefällt mir nicht.
  • Der Neider schenkt kleinlich, erwartet aber selbst mehr, als er anderen gibt. Man hat es ja im Leben ohnedies schwer genug.
  • Der Protzer schenkt, um zu zeigen, was er sich leisten kann. Nach dem Ende der Beziehung oder beim Familienkrach will er alles wieder zurück.
  • Der Fallensteller schenkt so, dass es ihm der Beschenkte nie recht machen kann. Am besten zwei Krawatten oder zwei Ketten. Trägt der Beschenkte eines der Geschenke, kann man empört fragen, ob denn das andere nicht gefällt, weil es nicht getragen wird.
  • Der Erwartungsvolle wählt seine Geschen­ke so aus, dass er alle anderen damit verdrängt. Sein Geschenk hat Vorrang und muss maximale Freude erwecken. Ein Klassiker ist das nicht gewünschte Musikinstrument für das Enkerl oder die sündteure gemeinsame Reise, die dann auch entsprechend mit überschwänglichem Dank belohnt werden muss.
  • Der Pädagoge schenkt, um den Beschenkten auf den rechten Weg zu führen. Notwendigkeit schlägt Freude. Weihnachten als Erziehungsprogramm also.
  • Der Einfühlsame schenkt, was er glaubt, dass dem Beschenkten gefallen wird. Bei Nichtgefallen ist er nicht böse. Ein sehr seltener Typus.

Das Christkind schenkt, was im Brief ans Christkind steht. Gut so.

  • Adresse: Rodaun, 1230 Wien

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